05. März 2026
Die Ausweglosigkeit der Situation im Leben auf der Straße
Die Tage und Nächte werden langsam wärmer – ein kleines Licht für die Menschen auf der Straße.
Wir packen das Auto, machen uns auf den Weg und treffen in Witten auf bekannte Gesichter. Viel wollen sie nicht haben.
Ein Mann klagt über Schmerzen. Das jahrelange 'durch die Gegend irren' macht sich in den Knochen bemerkbar. Er erzählt, dass er früher einmal Halbmarathon gelaufen sei. Ich erzähle, dass ich in diesem Jahr dasselbe Ziel habe und frage mich mal wieder, was passiert sein muss, dass der Mann auf der Straße gelandet ist. Ein bisschen Schokolade und ein Wasser helfen ihm durch die Nacht, und er ist dankbar, dass überhaupt mal jemand nach ihm sieht.
Ein anderer Herr berichtet von seinem letzten Krankenhausaufenthalt – ein Privileg für Menschen in Obdachlosigkeit in Europa, das doch so häufig in Vergessenheit gerät. Er zeigt uns seine Wunden und erzählt von Maden in seiner Haut, die er lange nicht losgeworden sei. Wir versorgen ihn mit Essen und Trinken, wahrscheinlich die einzige Mahlzeit an diesem Tag. Außer einem Lächeln und einem kurzen Gespräch können wir gesundheitlich natürlich nichts tun.
Wir fahren weiter nach Hagen. Am Hauptbahnhof begegnen wir bekannten Gesichtern und können einigen Menschen mit Terrinen, Süßem und Getränken sowie Gesprächen ein wenig Ablenkung vom Leben auf der Straße verschaffen.
Ein alter Bekannter führt uns zum Bahnsteig und zeigt uns den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten. 'Seine Leute' machten gute Arbeit und seien immer nett zu ihm.
Diese kleinen Momente, in denen sich die obdachlosen Menschen wenigstens für einen kurzen Moment als Teil der Gesellschaft fühlen dürfen – indem mit ihnen gesprochen wird, sie ernst genommen werden und ihnen einfach zugehört wird – sind so wertvoll. Auf der Rückfahrt beschäftigt uns noch ein Gedanke: Bekannte Gesichter Woche für Woche wiederzutreffen ist einerseits schön. Auf der anderen Seite zeigt es auch die Ausweglosigkeit der Situation im Leben auf der Straße.
Passt gut auf euch auf sagen
Olaf und Carina
vom Team Lichtschmiede e. V.