02. März 2026

Das Gehörte bleibt bei uns

Packen - Check

Route - Check

Motivation - Doppel-Check

Los geht’s.

Die Fahrt nach Witten dauert und wir haben Zeit zu reden.

Die junge Frau, die fast jeden Abend auf derselben Bank sitzt und von ihrem Vater bzw. ihren Eltern 'bewacht' wird, beschäftigt mich immer noch. Steffis Fachwissen hat mich sehr beeindruckt und so hake ich noch mal nach. Der Kontakt zu Menschen, die – in welcher Form auch immer – Hilfe benötigen, ist ein sehr sensibles Thema. In den seltensten Fällen erfahren wir, warum die Menschen, denen wir nachts helfen dürfen, auf der Straße leben.

So sehr uns ihre Geschichten interessieren – die Gründe erfragen ist ein no go.

Wenn wir ihr Vertrauen erlangt haben und sie uns von sich aus ihre Geschichten erzählen, freut und ehrt uns das – aber das Gehörte bleibt bei uns.

Die junge Frau treffen wir nicht an, dass sie jedoch wieder auf ihrer Bank gesessen hatte, zeigen die leeren Bierflaschen.

In Witten treffen wir an einem bekannten Rückzugsort einen Herrn, den Steffi gut kennt. Er war bislang eher zurückhaltend mit Informationen über sich, jetzt erzählt er eine abenteuerliche Krankheitsgeschichte, zeigt Steffi sogar Unterlagen. Er hat so einige Wünsche, lässt sein 'Gepäck' zurück und kommt mit zum Wagen. Er stimmt ein Lied an, fragt, ob wir es kennen. Nein, wir beide nicht – und René Kollo ist so gar nicht mein Musikgeschmack. Aus dem, was er sagt, seinem wachen Blick, wird klar, dass er ein gebildeter, intelligenter Mann ist. Und wieder die Frage: Wieso?

Auf der Weiterfahrt bleibt es ruhig, noch nicht mal am Hauptbahnhof treffen wir jemanden an, der Hilfe braucht. Steffi und ich gucken uns ratlos an, warten noch eine Weile, gehen durch die Bahnhofshalle und drehen dann noch eine Runde durch die Fußgängerzone. Man merkt – es wird Frühling, es sind wieder mehr Menschen unterwegs.

Dennoch ist es kalt, vor allem der Wind, und wir können zwei Herren mit Schlafsäcken und Isomatten sowie Terrinen, Getränken, Süßem und warmer Kleidung helfen. Uns begegnet ein alter Bekannter, dem wir seine bescheidenen Wünsche gerne erfüllen.

Ein Paar beobachtet uns kurz und spricht uns an, die Frau äußerst sich sehr angetan über das, was wir tun und wofür wir uns engagieren. Im Gespräch stellen wir wieder fest, dass viele nicht wissen, dass gemeinnützige Vereine sich selbst finanzieren müssen, auf Spendengelder angewiesen sind und dass der 'Job' ein Ehrenamt ist. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir Menschen darüber aufklären und vielleicht sogar dafür begeistern können.

Zuhause angekommen schaue ich hoch zum Vollmond, das Käuzchen in den Tannen am Garten ruft – nächtliche Idylle. Wir können nicht die Welt retten, aber einigen Menschen die Nacht erträglicher machen.

Passt gut auf euch auf

Steffi und Karin

von der Lichtschmiede e. V.