Gestern führte uns unsere Tour nach Hagen und Hohenlimburg.
Wir trafen uns bei Olaf und fuhren dann gemeinsam zu unserem Lager.
Das Lager hat mich schwer beeindruckt.
Was das Team der Lichtschmiede hier aufgebaut hat, ist der Wahnsinn.
Nachdem Olaf mir alles gezeigt hatte, kochten wir Wasser für unsere Thermoskannen und befüllten das Auto.
Dann ging es los.
Wir fuhren nach Hohenlimburg und durchforsteten den Lennepark sowie Stellen, an denen wir tagsüber oft obdachlose Menschen antreffen.
Unsere Tour führte uns dann durch ganz Hagen, wo wir alle uns bekannten Stellen anfuhren und auch ein paar neue.
Olaf und ich haben festgestellt, dass man diesen Blick auch jenseits der Touren nicht mehr ablegt.
Man sieht beim Einkaufen Ecken auf dem Supermarktparkplatz, wo man denkt "Hier müssen wir mal nachts gucken" oder "wenn ich einen Schlafplatz bräuchte, würde ich hierhin gehen".
Einige Ecken, die wir anfuhren, sind sehr dunkel und unheimlich und mir macht das nochmal klar, in was für einer Gefahr sich Menschen zu jedem Zeitpunkt befinden, wenn sie sich nachts was zum Schlafen suchen.
Man weiß nicht ob, man durch die Nacht kommt, ohne vielleicht selbst angegriffen zu werden.
Oder beklaut.
Ein Grund mehr, rauszufahren und zu gucken ob es ihnen gut geht.
Am Hagener Hauptbahnhof trafen wir eine alte Bekannte, die immer Angst davor hatte, eine Wunde am Bein ärztlich behandeln zu lassen.
Irgendwann war es dann zu spät und das Bein wurde amputiert.
Auch das ist typisch für das Leben auf der Straße und für eine Drogensucht – irgendwann fehlt einfach die Kraft, sich um sich selbst zu kümmern.
Die junge Dame ist aber eine ganz Besondere: nachdem wir sie mit Essen und Getränken versorgt hatten, fragten wir, ob sie noch was anderes benötige, Handschuhe, eine Mütze, Socken?
Sie hat herzlich gelacht: "Jetzt wo das Bein ab ist, komme ich mit einem Paar Socken ja doppelt so lange aus!"
Und dann endete die Tour mit etwas Grundmenschlichem: ein bisschen Smalltalk mit jemandem, den wir schon lange kennen, bei einer Hand voll Gummibärchen.
Denn die zaubern immer ein Lächeln ins Gesicht. Auch nachts. Auch wenn es kalt ist.
Passt auf euch auf, eure Kathrin