18. Februar 2026

Sollen wir etwa abbrechen, weil uns kalt ist? Nö

Auf dem Weg heute zum Lager denke ich darüber nach, wie froh ich bin, wieder auf Tour zu sein, wieder nachts bei Wind und Wetter zu bekannten und zu neuen Stellen zu fahren, wieder Menschen ohne Zuhause zu finden, wieder Hilfsbedürftigen zumindest die Nacht erträglicher zu machen.

Am Lager sind bereits Frank und Olaf mit Ausladen beschäftigt – Olaf hat jede Menge Schlafsäcke und warme Jacken angeliefert, die jetzt im Lager verstaut werden. Als Frank und ich den Vereinswagen packen, laden wir direkt einige der Jacken - und Schlafsäcke sowieso – ein. Es ist zwar nicht unter null Grad, der Wind lässt die Kälte jedoch noch kälter erscheinen.

Auf dem Weg in die Innenstadt fahren wir Plätze an, an denen Menschen zumindest für einen gewissen Zeitraum Unterschlupf gefunden haben. Und wieder wundere ich mich, dass ich so viele Stellen nicht kannte.

Die Wünsche sind bescheiden, ein Herr, der sein Zelt an einem gut versteckten Ort aufgeschlagen hat, möchte nur Gummibärchen. Die geäußerten Wünsche haben mich schon oft überrascht und mich nachdenken lassen, was ich mir an ihrer Stelle aus dem Sortiment eines Obdachlosenhilfevereins wünschen würde. Schwierig, da ich mir bis zur letzten Konsequenz die Situation der Menschen, die auf der Straße leben, gar nicht vorstellen kann.

Wir erreichen unser letztes Ziel: Hauptbahnhof Wuppertal Elberfeld. Hier zieht's bekanntlich extrem und so parke ich den Wagen lieber noch mal um – sehr zur Irritation eines Herrn, der erwartungsfroh auf unseren Wagen zukam. Keine Panik, wir hauen nicht ab!

Auf das, was dann kam, waren Frank und ich nicht vorbereitet. Offenbar gibt es ein geheimes Netzwerk in Wuppertal – immer wieder kamen neue Menschen zum Wagen, manchmal außer Atem.

"Warum lauft ihr denn so?"

"Wir haben euch schon so oft verpasst!"

"Jetzt bleiben wir erst mal hier."

Sollen wir etwa abbrechen, weil uns kalt ist? Nö.

Uns wird später im Wagen wieder warm, die Menschen, denen wir mit heißen Getränken und Terrinen, mit Schlafsäcken und Isomatten, mit warmen Jacken (gut, dass wir noch welche eingepackt haben) und Schuhen, mit Socken, Mützen, Schals, Handschuhen, Hosen helfen dürfen, bleiben in der Kälte zurück.

Eine neue Situation: Ein polnischstämmiger Herr, der eher Englisch- als Deutschkenntnisse hat. Ok – dann geht‘s halt auf Englisch weiter. Da wir beide keine Native Speaker sind, gibt es lustige Missverständnisse – aber schlussendlich haben wir alles zur beiderseitigen Zufriedenheit klären können!

Auf Englisch geht es mit einem jungen Marokkaner weiter, der zwar nicht obdachlos, aber einsam und ohne Job ist. Er nimmt einen Kaffee an und ein längeres Gespräch – aber wirklich helfen können wir ihm nicht.

Auffällig waren die vielen meist jungen Frauen. Als eine von ihnen nach Schmerztabletten – verlegen flüsternd – fragte, war mir klar, wofür. Periodenschmerzen können höllisch sein. Aber Medikamente geben wir nicht raus.

Ich sagte, dass Wärme helfe und sie antwortete, dass sie eine Wärmflasche geschenkt bekommen hätte und sie beim Kiosk auffüllen lassen könne. "Wenn man nett fragt, machen die das auch." An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Menschen, die einfach mal so helfen!

Stunden später – Frank und ich sind kaum noch in der Lage, mit kältesteifen Händen Terrinen aufzureißen – schließen wir die Heckklappe für diese Tour endgültig und fahren Richtung Lager. Wir reden während der Fahrten, reflektieren, lernen uns kennen.

Ich fahre durch die Nacht nach Hause, lasse die Tour und das Erlebte Revue passieren, freue mich auf mein Zuhause. Und es ist wieder dieses gute Gefühl.

Passt gut auf euch auf

Frank und Karin

vom Team Lichtschmiede e. V.