12. Februar 2026
'Ich hab alles.' Alles? In 2 - 3 großen Plastiktaschen?
Heute fahre ich zum zweiten Mal zum Lager der Lichtschmiede, dieses Mal nimmt Olaf mich mit auf Tour. Die Touren beginnen immer mit dem Packen des Vereinswagens.
Auch wenn ich einiges an "Berufserfahrung" – wie Andreas es letztens so treffend beschrieben hat – mitbringe, brauche ich so einiges an Erklärungen.
Es ist nasskalt, aber wir sind froh, dass zumindest der Regen aufgehört hat und die Temperaturen über Null liegen. Kalt ist es trotzdem und alles, was wärmt und auf Lager ist, wird eingepackt.
Auf dem Weg nach Witten haben wir Zeit, uns zu unterhalten. Über alles Mögliche und über das Thema, das alle, die sich bei der Lichtschmiede ehrenamtlich engagieren, vereint: Obdachlose, bedürftige, einsame Menschen und die Möglichkeiten, ihnen auf bestmöglichem Weg zu helfen. Wer einmal mit dem Virus des helfen wollens infiziert ist, der bleibt es auch. Man hört immer wieder mal: Man "opfere" die eigene Freizeit für ein Ehrenamt. Oh nein, das ist kein Opfer, das ist eine Herzensangelegenheit!
Es wird eine ruhige Tour, wir können nur wenigen obdachlosen Menschen einige sehr bescheidene Wünsche erfüllen. Es macht sprachlos zu hören, wenn sie sagen: "Ich hab' alles." Alles? In 2 - 3 großen Plastiktaschen? Und manchmal haben sie noch nicht mal die.
Da ich bereits vor einiger Zeit etliche Obdachlose kennengelernt habe, frage ich immer mal wieder nach – aber viele sind verschwunden. Dieses Phänomen ist schwer zu ertragen: Sie sind von einem Tag auf den anderen einfach weg. Manchmal erfährt man mehr: Dass sie verhaftet wurden, im Krankenhaus liegen, in einem Heim oder einer Wohnung untergekommen – oder aber leider auch gestorben sind.
Wir sehen Menschen, die vollkommen eingemummelt sind, sogar mal eine Art Zeltkonstruktion über sich errichtet haben. Wir nähern uns leise, prüfen, gehen wieder. Der Schlaf der Menschen auf der Straße ist ein anderer als der, den wir in unseren Betten in der Sicherheit unserer vier Wände gewohnt sind. Schlaf ist überlebenswichtig, sie brauchen die Kraft.
Wir fahren in Hagen zu weiteren Stellen, an denen Olaf Obdachlose vermutet. Einige der Stellen sind mir bekannt, andere neu. Die Aufenthaltsorte werden oft gewechselt, aber nachschauen gehört zu jeder Tour dazu.
Die letzte Station ist der Hauptbahnhof – und hier wartet eine schöne Überraschung auf mich. Wir werden bereits erwartet und plötzlich erkenne ich ihn, den ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen habe. Er lächelt mich auf seine unnachahmliche Art schüchtern an und ich stürze mich begeistert auf ihn, spreche ihn mit seinem Namen an und er nickt. Ich frage ihn, ob er mich wiedererkennt – wieder ein Nicken. Olaf macht den Test und fragt, woher und die Antwort kommt ohne zu zögern. Er erzählt, dass er für kurze Zeit in einer Wohnung untergekommen ist, er sieht gut aus, gepflegt. Ich sage es ihm und er strahlt.
Er braucht etwas zu essen und zu trinken – und immer was Süßes, daran kann ich mich erinnern. Es gibt ein zweites Wiedersehen, dieses Mal können wir mit Schlafsack, Isomatte und Rucksack helfen. Noch einige weitere hungrige Menschen treffen am Wagen ein und werden versorgt, noch eine kurze Runde durch die Bahnhofshalle, noch eine Ausgabe an eine Nachzüglerin – und dann ist die Tour zu Ende. Es ist wieder ein gutes Gefühl.
Passt gut auf euch auf sagen
Olaf und Karin
vom Team Lichtschmiede e. V.