10. April 2026

Vielleicht konnten wir in diesen Minuten an unserem Wagen ein bisschen was von der Härte ihres Alltags nehmen

Beim Packen im Lager mussten wir an einiges denken, was wir zusätzlich mitnehmen wollten. Zwei Bekannte hatten nach Zelten und einem Gaskocher gefragt, ein anderer nach einem Handy.

Voll bepackt ging es dann nach Vohwinkel, wo wir neben der Dame, die wir regelmäßig antreffen, noch einen weiteren Straßenmenschen versorgen konnten. Und dann: "Erst mal 'nen Kaffee." Karamellkaffe für alle, die sich an unserem Wagen versammelten und mehr oder weniger ungeduldig darauf warteten, versorgt zu werden. Mit einem Kaffee in der Hand, so unsere Erfahrung, kehrt erst einmal eine gewisse Zufriedenheit bzw. Gelassenheit ein und dann kann es weitergehen.

Unser Wagen leerte sich schnell, insbesondere am Bahnhof. Die Zelte mussten wir leider wieder mitnehmen, denn die beiden Bekannten, die sie sich gewünscht hatten, erschienen nicht. Vielleicht auf der nächsten Tour. Das Handy konnten wir übergeben.

Der junge Obdachlose, den wir schon sehr lange kennen, dessen Lebensweg wir immer wieder mitverfolgt und miterlebt haben mit all seinen Schicksalsschlägen, erzählte sehr offen von seiner Drogenabhängigkeit, die er überwunden hatte, von unsagbar schwierigen familiären Verhältnissen, seinem nicht endenden Lebenskampf. Doch das Schwerste, was er uns anvertraute, war ein ganz aktueller Verlust. Seine kleine Tochter, gerade einmal zwei Jahre alt, ist an einer Herzkrankheit verstorben. Die Trauer und Verzweiflung waren in jedem seiner Worte spürbar. Es ist kaum vorstellbar, welchen Schmerz er gerade durchlebt.

In diesem Moment wurde uns einmal mehr bewusst, wie viel Leid viele Menschen auf der Straße mit sich tragen. Er hat therapeutische Begleitung. Anders geht es auch nicht. Niemand schafft das alleine. Die Last, die er trägt, ist kaum in Worte zu fassen. Schuldgefühle, Verzweiflung, Zukunftsängste und das Gefühl von Ausweglosigkeit begleiten ihn täglich. Man spürt, wie viel Kraft es ihn kostet, überhaupt weiterzumachen. Jeder Tag scheint ein Ringen zu sein, mit sich selbst, mit der Vergangenheit und mit der ungewissen Zukunft.

Mit der Tasche an der Hand, die wir ihm füllten mit allem, was das Leben auf der Straße vielleicht ein wenig erleichtert, verabschiedete er sich schließlich von uns. Und immer wieder, wenn sie unseren Wagen verlassen und mit ihrem Hab und Gut ihre Schlafstellen in der Stadt aufsuchen, schauen wir ihnen hinterher und denken: Vielleicht konnten wir in diesen Minuten an unserem Wagen ein bisschen was von der Härte ihres Alltags nehmen. Ein bisschen das Gefühl vermitteln, dass sich jemand um sie kümmert.

Passt gut auf euch auf.

Sabine und Monika

vom Team Lichtschmiede e. V.