02. Mai 2026

Hier ist die Lichtschmiede – ist jemand zu Hause?

Auf der Fahrt zum Lager prasselt von einer Sekunde zur anderen ein Starkregen vom Himmel, wie ich ihn selten erlebt habe. Na toll – hoffentlich beruhigt sich das Wetter bis zu unserem Start.

Und tatsächlich am Lager: Es dröppelt noch ein bisschen, aber es wird weniger.

Auf der Wuppertal-Tour steht zunächst Vohwinkel an – aber Frank vermutet ganz richtig: Das Wetter ist trotz Regen zu gut, bei der Wärme ist die Saures liebende Dame noch unterwegs.

Auf der Weiterfahrt gewittert es und der Regen rauscht nur so vom Himmel. Zum Glück hört es schnell wieder auf!

Wir fahren zu einer weiteren, sehr versteckten Unterkunft. Ich lasse die Fensterscheibe runter: "Hallo? Hier ist die Lichtschmiede – ist jemand zu Hause?"

"JA! Ich komme!" Dann raschelt es im Gebüsch und es erscheint unser Bekannter mit Stirnlampe und guter Laune.

Das Übliche wird überreicht, außerdem noch Unterwäsche und Socken. Und ein T-Shirt: "Bitte XL, M kneift so unter den Armen!"

Ok, ich finde eins in XL – aber nach XL sieht er eigentlich gar nicht aus.

Nach Anfahren weiterer Orte erreichen wir die Fußgängerzone. Blinkendes Fahrrad, eine winkende junge Frau – wir steigen aus und erfahren eine traurige Geschichte.

Das Paar – in Wuppertal und über die Grenzen hinaus bekannt – hat sich getrennt. Frank und ich signalisieren, dass wir Zeit haben, hören zu, trösten.

Der Hund, der immer bei ihnen war, gehört zum Glück ihr und Frank hat einen kleinen Trost dabei: Er hat Hundefutter und Leckerlies eingepackt, welches die junge Frau mit großer Freude annimmt.

Eine weitere junge Frau taucht auf, die beiden kennen sich – und wir erfahren die nächste traurige Geschichte: Sie ist schwanger, ihr Freund sitzt im Knast, sie haben die Wohnung verloren und sie lebt auf der Straße.

Frank gibt ihr unsere Visitenkarte, betont, dass sie sich melden soll, sie steckt sie dankend ein.

Ich frage sie, ob ich nach ihrem Alter fragen darf: 31. Ich hätte sie 10 Jahre jünger geschätzt, sie lächelt: "Das höre ich öfter."

Sie hat blaue Flecken im Gesicht – lieber nicht darüber nachdenken.

Ich schlucke energisch den Kloß im Hals weg – das war jetzt dann doch etwas viel.

Wir fahren weiter zur letzten Station: Hauptbahnhof. Der nette Herr, mit dem man so gut reden kann, ist dort, sowie ein weiterer Bekannter – die beiden sind oft zusammen zu sehen.

Die fröhliche Stimmung lenkt uns von dem zuvor erfahrenen Erlebnis ab, wir geben aus, reden, lachen.

Zunächst bleibt es ruhig, aber dann zeigt sich wieder, dass das Warten sinnvoll ist: Nach und nach treffen viele Menschen ein und Frank und ich sind gut beschäftigt.

Wie immer sind unsere Gäste bunt gemischt, manche sind sehr scheu, manche einfach nur dankbar, andere sehr fordernd, weitere offenbar durch Alkohol und Drogen gezeichnet. Für uns spielt das keine Rolle – wir versorgen alle.

Manchmal packt uns ein Schicksal emotional. Dann sind wir froh, mit ihnen reden zu können – und nur selten froh, wenn sie nach der Versorgung wieder gehen.

Auf der Rückfahrt reflektieren wir wieder den Abend, vor allem das Schicksal der beiden jungen Frauen. Frank sagt, dass obdachlose Menschen eigentlich nicht anders sind als wir.

Genau: Eigentlich.

Schicksalsschläge erfahren ALLE Menschen, jedoch haben wir, die wir ein Dach über dem Kopf haben, bessere Möglichkeiten der Bewältigung.

Es war wieder alles dabei: Bewegendes, Lustiges, Nachdenkliches, Interessantes – aber auch leicht Nerviges…

Passt gut auf euch auf sagen

Frank und Karin

vom Team Lichtschmiede e. V.