22. August 2025

Sie ist eben die Ausnahme, nicht repräsentativ

Bevor wir an diesem Abend unseren Wagen packten, trugen wir palettenweise Terrinen und eine große Tasche mit Süßem ins Lager. Sabine hatte eingekauft, für Nachschub gesorgt. Alles aus einem Angebot, denn die Spendengelder müssen verantwortungsvoll eingesetzt werden, damit es für viele reicht.

Im Wuppertal angekommen, versorgten wir zunächst zwei Straßenmenschen in Vohwinkel. Danach ging es zum Bahnhof, wo sich sofort eine endlose Schlange an unserem Wagen bildete. Wir hatten wenig Zeit zum Reden, alles ging schnell Hand in Hand. Alle warteten geduldig und es war, wie immer, eine entspannte und freundliche Atmosphäre.

Das änderte sich, als eine obdachlose Frau einen Kaffee wünschte. Wir hatten nur noch kleine Becher. Große waren aber schon bestellt. Für alle kein Problem. Für sie schon.

"Kauft mal endlich wieder große Becher," fuhr sie uns an. "Eine Unverschämtheit, uns mit solchen Bechern abzuspeisen. Die Obdachlosen verdienen was besseres. Bestimmt spart ihr das Geld und kauft euch selbst Kuchen dafür!"

Wir bemühten uns gar nicht um Erklärungen. "Das reicht jetzt. Beleidigen lassen müssen wir uns nicht," war alles, was wir erwiderten. Und damit ließen wir sie einfach stehen, widmeten uns den anderen, die dankbar das entgegennahmen, was sie benötigten.

Im Hintergrund hörten wir noch lange das Geschimpfe der "Dame" - völlig bösartige, absurde Anschuldigungen und Vorschläge, wie und was wir alles, in ihren Augen, besser machen sollten. Unglaublich!

Kopfschütteln und Sprachlosigkeit auch bei den anderen Bedürftigen am Auto. Das Erlebnis wirkte nach. Noch niemals während unserer Tätigkeit hatten wir so viel Undankbarkeit erfahren und so wenig Wertschätzung. Aber: Sie ist eben die Ausnahme, nicht repräsentativ.

Mit dem Wissen besuchten wir auf unserer weiteren Tour all die Straßenmenschen, die sich über den Kaffee, auch vorübergehend aus kleineren Bechern, die Terrine, das Mineralwasser, das Deo, den Schlafsack sichtlich freuten.

Passt gut auf euch auf.

Sabine und Monika

vom Team Lichtschmiede e. V.