14. März 2025
Hoffentlich geht es ihm gut
Er hatte von einer Frau aus dem Fahrrad-Reparatur-Café am Mirker Bahnhof ein sehr schickes Fahrrad geschenkt bekommen. Unser obdachloser Bekannter, dem wir einen Tee zum Aufwärmen brachten, war sichtbar stolz darauf und hatte es vorsichtshalber mit zwei Ketten an einem Geländer befestigt.
Die Leute aus der Reparaturwerkstatt bringen unter anderem gespendete Fahrräder wieder in Schuss und verschenken sie an Bedürftige. Super!!
Am Bahnhof trafen wir jemanden, der nach zwei Jahren Haft völlig verändert wirkte. Von seinem offenen Wesen und dem jugendlichen Aussehen war nichts mehr übrig. Er war distanziert, redete von "Scheiße erlebt" und wirkte mit seinen jetzt harten Gesichtszügen stark gezeichnet. Mit einer Terrine, Getränken und etwas Süßem konnten wir ihn auch nicht merkbar aufheitern. Er nahm es dankend an, erzählte aber nichts weiter. Wir werden ihn noch häufig sehen, denn er hat keinen Pass. Der Weg ins Konsulat nach Berlin ist für ihn nicht machbar und dann bleibt nur die Straße.
Am Bahnhof vermissten wir nun schon in der zweiten Woche einen Straßenmenschen, den wir sehr ins Herz geschlossen hatten. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Seit Monaten wartete er immer freitags auf uns, war sehr bescheiden und freute sich immer besonders über die Fischkonserve. Vor jeder Tour fragten wir uns: "Haben wir auch den Fisch eingepackt?" Wir wollten ihn nicht enttäuschen. Sein Kumpel macht sich auch Sorgen, hat mehrmals versucht ihn telefonisch zu erreichen, ohne Erfolg. Hoffentlich geht es ihm gut.
Passt gut auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.