31. Oktober 2024
Mit einem Ohr
Halloween,
ein Abend, an dem viele Menschen durch ihre Verkleidung jemand anderes sein können, und eine Nacht abtauchen in eine andere Welt.
Viele unsere obdachlosen Menschen würden bestimmt auch gerne die Rollen tauschen, aber nicht nur für eine Nacht, und bestimmt auch lieber in Richtung Normalität.
So unterschiedlich war heute das Treiben in den Städten. Zwischen Hunger, Kälte und Armut, und Party mit Alkohol im Überfluss war alles dabei.
Ich war froh, dass Steffi spontan eingesprungen ist, und unsere Tour doch stattfinden konnte. Denn unser Ziel war es auch heute, denen zu helfen, denen auch an Halloween nicht zum feiern zu mute war.
So ging es für uns zuerst nach Hagen und im Anschluss noch nach Wuppertal.
Durch den Feiertag waren uns zeitlich keine Grenzen gesetzt und motiviert genug sind unsere Mitglieder ja alle.
Alles in allem war es aber etwas ruhiger als gedacht. Nun, es hatte Geld gegeben. Da geht man schon mal in ein Hotel um eine oder zwei Nächte in einem richtigen Bett zu schlafen und ein Badezimmer zu nutzen. Ein Bad gibt es in den örtlichen Anlaufstellen zwar auch, ist aber was anderes.
Aber viel wichtiger ist es, mal richtig fest schlafen zu können ohne mit einem Ohr und halb verschlossenen Augen das Umfeld zu beobachten.
Zurück zum Abend.
Genug zu tun gab es allemal. Von "Mir reicht ein Kaffee" bis "Habe großen Hunger und mir sind all meine Sachen geklaut worden" war alles dabei.
Ein Herr macht uns etwas Sorgen. Er baut stark ab. Er hat schon immer fragwürdige Geschichten erzählt, aber nun wird es immer wirrer. Wir behalten ihn im Auge.
Ein anderer Herr, kaum als Obdachloser zu erkennen, ist ein Aussteiger. Er wollte bewusst zwei Jahre auf der Straße verbringen. In fünf Monaten ist die Zeit vorbei und er bezieht wieder eine Wohnung. Er brauchte das, um sich einfach mal zu erden, so erzählte er uns.
Andere versuchen hingegen, mit Kleinigkeiten noch Ordnung an ihrem Schlafplatz herzustellen, und sei es nur mit einem Kleiderbügel.
Es war ein bunter Abend, der uns wieder einmal gezeigt hat, wie wichtig dieses Ehrenamt ist, und uns gleichzeitig immer daran erinnert, wie gut es uns eigentlich geht.
Passt auf euch auf
Steffi und Andreas
vom Lichtschmiede e. V. Team