31. Mai 2024
Auf der Straße spielt das ganz normale Leben
In Vohwinkel standen wir ratlos vor einer Bank, jetzt eine Art "Altar". Da, wo noch vor einiger Zeit gute Bekannte ihr Lager aufgeschlagen hatten, standen jetzt liebevoll arrangierte Blumen.
Ausdruck von Trauer oder Freude? Wir konnten uns keinen Reim daraus machen.
Am Bahnhof und dem dahinter liegenden Park hatten uns viele schon erwartet und es herrschte großer Andrang an unserem Wagen. Jemand ließ uns liebe Grüße von seiner Partnerin bestellen. Und spontan überwältigten ihn seine Emotionen:
"Sie ist die beste. Sie hat Herz. Wir sind jetzt vier Jahre zusammen und in dieser Zeit nur zweimal Streit gehabt. Ich bin so dankbar, dass ich sie habe." Er zeigte auf sein Armband mit dem Kennenlerndatum.
Ein zweiter gesellte sich dazu und erzählte von seiner Partnerin, die nach acht Jahren leider verstorben war.
Auch auf der Straße spielt das ganz normale Leben: Dates, Beziehungen, Trennungen, Abschied nehmen. Alles gleich.
Später am Abend trafen wir ein anderes Paar. Sie waren erst seit kurzer Zeit wieder obdachlos, hatten keinen Schlafsack, keine Isomatte. Als wir das benötigte aus dem Auto holten, sangen sie "Laudatio si". Auch eine Art sich zu bedanken und irgendwie schön.
Auf dem Rückweg waren wir verabredet mit jemandem, der das gleiche Schicksal hatte: wieder auf der Straße und es mangelte an allem. Auch ihn konnten wir versorgen mit Schlafsack, Unterwäsche, Hygieneartikeln. Er steckte alles in seinen Rucksack. Und nun geht es für ihn weiter: Straßenleben, das natürlich hart ist, aber vor den ganz normalen Emotionen nicht Halt macht.
Das verbindet uns.
Passt auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.