Heute sollte es eine Tour durch Hagen werden, wie wir sie regelmäßig durchführen.
Leider hat sich meine geplante Begleitung aber den Rücken verknackst und konnte nicht mit auf Tour fahren.
Und so kurzfristig konnte auch niemand für sie einspringen, so stand die Tour also auf der Kippe, da wir in der Regel nie allein raus fahren.
Doch am Abend packte mich dann doch wieder der Ehrgeiz, den Menschen draußen auf der Straße zu helfen und nach ihnen zu schauen.
Also packte ich nach Rücksprache mit Andreas unseren Vereinswagen wie sonst auch und machte mich allein auf den Weg nach Hagen.
Einziger Unterschied sollte sein, dass ich mich nicht allein an schlecht einsehbare oder als gefährlich einzuschätzende Stellen begebe.
So fuhr ich die Straßen auf und ab und blickte in jede Nische und dunkle Ecke, sofern dies während der Fahrt möglich war.
Leider, oder soll man sagen „zum Glück“, fand ich kaum jemanden, der sich um die späte Uhrzeit noch ungeschützt draußen aufhielt.
Eine gute Bekannte saß an ihrem Stammplatz vor einem Supermarkt und freute sich wie immer über einen heißen Tee.
Dazu ein kleiner Smalltalk, was sie noch benötigte und ihr Lächeln als Dankeschön erfreute auch mein Herz.
Gut, dachte ich mir, das wird wohl ein ruhiger Abend. Aber nachdem ich dann auch noch einige Straßen außerhalb des Zentrums abgefahren bin, machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof.
Kaum dort angekommen und auf dem Vorplatz platziert, kamen aus allen Richtungen auch schon die verschiedensten Menschen, Männer wie Frauen, und fragten nach etwas Warmen für den Bauch und auch heißer Kaffee und Tee waren gefragt.
Als der erste Ansturm versorgt war und ich den Kofferraum eigentlich schon wieder zu hatte, kamen weitere Menschen auf mich zu und fragten kleinlaut auch nach etwas zu essen.
Man sah ihnen an, dass sie hungerten und dies bestätigte sich auch dadurch, dass es nicht nur bei einer Terrine pro Person blieb, sondern gleich mehrere, bis der größte Hunger gestillt war.
Auch Winterunterwäsche, Handschuhe, ein Schlafsack und Hygieneartikel wechselten freudestrahlend den Besitzer.
Nach über eine Stunde Aufenthalt vor dem Bahnhof war der Kofferraum nahezu leer, kein einziger Tropfen heißes Wasser aus vier großen Thermoskannen war übrig und auch die Vorräte an Süßem für die Seele waren arg geschrumpft.
Mit einem zufriedenen Gefühl, an diesem Abend die richtige Entscheidung zur Tour getroffen zu haben, machte ich mich dann auf den Weg zurück zum Lager.
Passt auf euch auf – euer Olaf