12. Juni 2024

Novembernächte mitten im Juni

Gestern waren Steffi und ich in Hagen unterwegs und was soll ich sagen? Es war wie eine gemischte Tüte vom Kiosk - von allem etwas dabei.

Steffi ist noch nicht so lange mit im Team und war bei dieser Tour das erste Mal selbst Fahrerin. Ich habe versucht, ihr möglichst viele Stellen zu zeigen, die wir in Hagen anfahren und an denen wir insbesondere in den kalten Monaten immer wieder Menschen antreffen.

Ausgestattet mit Visitenkarten, die wir hinterlassen können, wenn wir zwar ein Lager aber keine Bewohner antreffen, haben wir uns auch in abgelegenere Gebiete aufgemacht.

Dort fanden wir eine kleine Wohnung: an einem Pfeiler hatten Menschen sich aus Steinen und Brettern ein kleines Wohnzimmer gebaut. Steffi und ich haben beide gesagt, dass wir den Reiz des Ortes verstehen - etwas ab vom Schuss aber dennoch so gelegen, dass man schnell wieder im Geschehen ist.

Wir hatten auch beide denselben Gedanken: Es ist eine Sache, im hellen Abendlicht des Sommers dorthin zu laufen. Im dunklen Winter flößt so ein Ort aber auch Respekt ein.

Wir haben über ein, zwei Dinge gesprochen, die wir als Team machen, um aufeinander und auch auf uns selbst aufzupassen. Auch das gehört dazu, wenn man jemandem Neuen unsere Arbeit zeigt.

Auf dem Weg zurück in die Innenstadt erkannte Steffi schnell einen Mann, der so aussah, als brauche er dringend Hilfe. Er lehnte jedoch dankend ab. Auch das passiert. Manche Menschen möchten keine Unterstützung. Das ist zwar eher selten, aber wir legen großen Wert darauf, niemanden zu bedrängen.

Wir treffen dort auf Menschen, die selbstverständlich das Recht auf ihre eigene Entscheidung haben – und darauf, dass wir diese respektieren.

Nachdem wir auch in der Innenstadt weiterhelfen konnten und noch einen versteckten Schlafplatz angesteuert hatten, ging es zu einer typischen Anlaufstelle, wo wir uns hinstellen und darauf warten, dass unser Wagen die Menschen anzieht wie das Licht die Motten. So war es auch dieses Mal und wir freuten uns, vielen Menschen etwas Gutes tun zu können. Getränke, eine warme Mahlzeit, warme Socken aber auch Körperpflegeprodukte wechselten den Besitzer.

Steffi verhielt sich, als sei sie schon ewig dabei und behielt souverän den Überblick.

Und aufgrund der Temperaturen gaben wir auch Schlafsäcke aus - denn diese feuchten "Novembernächte" mitten im Juni machen es den Menschen, die draußen leben nicht leicht.

Wir warten auf wärmere Temperaturen, damit unser Garten gedeiht oder wir eine Wurst auf den Grill schmeißen können. Bei unseren Schützlingen geht es darum überhaupt Schlaf zu finden.

Es war eine schöne Tour, hier und da mit kleinen Herausforderungen. Steffi und ich waren zufrieden, dass wir vielen Menschen helfen konnten und freuen uns auf die nächste Tour.

Danke an alle, die uns unterstützen – ohne euch könnten wir nicht in diesem Maße Menschlichkeit auf die Straße bringen.

Passt auf euch auf

Kathrin und Steffi

vom Team Lichtschmiede e. V.