07. Juni 2024
Fürsorge kennt keine Grenzen
Nach jeder Tour bleibt ein besonderes Erlebnis, ein besonderer Augenblick haften.
An diesem Abend war es die gegenseitige Fürsorge unter den obdachlosen Menschen, die selbst weniger als nichts haben und trotzdem den Blick für andere nicht verlieren.
In der Stadt trafen wir einen guten Bekannten, der uns von seiner neuen Freundin erzählte. Wir hatten sie zuvor schon mit einigen anderen bedürftigen Menschen im Park angetroffen. Sie lag auf einer Isomatte und schlief offensichtlich ihren Alkoholrausch aus. Auch er war gesundheitlich in keinem guten Zustand, sammelte aber auf der Straße noch Geld für das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen.
"Ja, Elend trifft auf noch größeres Elend", erklärte er, "aber ich muss für sie sorgen."
Später fuhren wir eine Stelle an, an der drei obdachlose Menschen ihr Lager aufgeschlagen hatten. Wir konnten beobachten, wie jemand, den wir schon länger kennen, geduldig und mit viel Gestik auf seinen „Kumpel“ einredete. Offensichtlich verstand dieser kein Deutsch und war von der Situation völlig überfordert. Schließlich hatte er aber verstanden, dass er tatsächlich etwas von uns annehmen konnte – ohne Gegenleistung. Unser Bekannter brachte ihm eine Terrine, Getränke und ein T-Shirt zu seinem Schlafplatz und versorgte ihn erst einmal, ohne eigene Bedürfnisse zu äußern. Erst danach fragte er selbst nach dem, was er dringend brauchte: Schuhe. Die hatten wir tatsächlich in seiner Größe dabei.
"Ich hab' Schuhe!", rief er glücklich und wirbelte das Paar durch die Luft.
Nebenan saß eine obdachlose Frau, deren Begleiter gerade im Krankenhaus war. Wir kennen das Paar schon lange und unterhielten uns eine Weile.
"Die beiden passen auf mich auf, bis mein Mann wiederkommt", sagte sie zum Abschied.
Spenden ermöglichen uns, das zu geben, was die Not auf der Straße etwas lindert. Fürsorge findet dort aber auch in besonderem Maße untereinander statt. Und genau das beeindruckt uns immer wieder.
Passt auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.