06. September 2023

Nehmt ihr auf der Straße auch eine Spende an?

Wir fuhren abends langsam durch die Straßen der Innenstadt und trafen viele an den uns bekannten Orten an.
Als wir im Schritttempo suchend einen größeren Platz abfuhren, kam uns ein junger Mann entgegen, sah unser Auto und machte uns mit einem Handzeichen auf einen Hauseingang aufmerksam. Und ja. Da lag jemand auf dem nackten Beton, ohne Isomatte und Schlafsack. Er war neu und wir hätten ihn fast übersehen. Als wir ausstiegen, kam der junge Mann zurück. "Nehmt ihr auf der Straße auch eine Spende an?" Und dann drückte er uns 50 Euro in die Hand. Wir waren sprachlos, bedankten uns überschwänglich und hätten ihn am liebsten umarmt. Aber so schnell, wie er gekommen war, war er auch wieder weg.
Ein junger Mann, auf dem Weg zu irgendeinem Ort in der Stadt, schaut hin, kümmert sich und spendet im Vorbeigehen noch einen größeren Betrag. Hut ab!
Wir hatten bis dahin schon alle Schlafsäcke ausgegeben. Wir hatten an diesem lauen Sommerabend zu wenig eingepackt, nicht mit dem Bedarf gerechnet. Aber wir versorgten den netten und sehr dankbaren Straßenmenschen mit allem, was er sonst so brauchte, denn er hatte nichts, gar nichts. Am Tag darauf hat Andreas ihm dann noch den benötigten Schlafsack gebracht.
Eine Bekannte, die wir bis vor kurzem bis in den Abend hinein beim "Schnorren" antrafen, hat jetzt einen Job auf Probe in einem Bistro. Sie wollte ganz viel loswerden, hatte Schluss und so redeten wir sehr lange über die neue Situation. "Ich weiss jetzt, dass der nächste Tag gesichert ist. Schönes Gefühl!" Hoffentlich hält sie durch, bekommt einen richtigen Arbeitsvertrag und den Rest ihres Lebens auch in den Griff. Bei allen Plänen, Vorsätzen, Visionen gibt es immer wieder einen Feind, der lauert und der von jetzt auf gleich alles wieder zerstören kann: die Droge.
Gleich eine Ecke weiter saß der Mann, dessen fortschreitender Zerstörung wir seit langer Zeit machtlos beiwohnen. An diesem lauen Sommerabend saß er mit nackten Oberkörper, zusammengesunken an seinem Stammplatz. Oh Gott, so ein großer Mann und so spindeldürre Arme. Die Hose rutscht schon so lange und es scheint nichts mehr wichtig, die Würde irgendwann abhanden gekommen. "Ich habe schon auf euch gewartet." Er könnte alle Hilfe der Welt bekommen, so viele haben sich schon vergeblich gekümmert, organisiert. Aber er will nicht, kann nicht, denn die klaren Momente werden immer weniger. Und so können wir nur für ein Gespräch, eine Terrine, einen Kaffee für ihn da sein.
Hoffentlich noch lange.
Passt auf euch auf, Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.