20. November 2021

Hallo zusammen,
heute ging es wegen der Arbeit erst später auf Tour. Das erste Ziel war ein uns bekannter Herr. Er freute sich wie immer, uns zu sehen und wurde mit dem Nötigsten versorgt. Viel schöner ist aber, laut seiner Aussage, die Zeit die man sich nimmt. Er erzählte, dass nur die wenigsten mal stehen bleiben und ein nettes Gespräch mit obdachlosen Menschen wie ihm führen. Dabei fehlt ihm das schon sehr. Aus diesem Grund quatschten wir heute eine gute Stunde lang über dies und das. Man spürte wie gut es ihm tat. Bevor es weiter ging erzählte er uns noch von einem weiteren Obdachlosen und seinem Schlafplatz.
Dort war dann auch der nächste Halt. Von dem besagtem Herrn fehlte allerdings jede Spur. Dafür stand in der Nähe eine ältere Dame ganz alleine auf dem Bürgersteig und rauchte eine Zigarette. Viel zu dünn gekleidet und mittlerweile nach 23 Uhr wirkte sie dort irgendwie fehl am Platze. Kurzerhand boten wir ihr einen Kaffee an. Sie strahlte über beide Ohren. Selten haben wir jemanden gesehen, der sich so über einen heißen Kaffee gefreut hat. Wie sie sagte, hatte sie schon lange keinen mehr getrunken. Sie hatte zwar ein Dach über dem Kopf und was zu Essen, aber am Kaffee schien sie zu sparen. So bekam Sie für die nächsten Tage erst einmal Kaffee von uns. Als wir das ganze noch mit etwas Süßem abrundeten, hatte sie Tränen in den Augen. Das Eis war gebrochen und sie erzählte von ihrem Leben. Vor zwei Jahren war ihr Mann verstorben und das ließ ihr geregeltes Leben aus dem Ruder laufen. Auch hier merkte man schnell, wie wichtig einfaches Zuhören sein kann. Es fiel uns verdammt schwer, uns loszureißen. Aber irgendwann mussten wir weiter.
Da wir uns mehr Zeit für den Einzelnen nehmen, fanden wir fünf weiter Obdachlose schlafend vor. Gut eingemuckelt in ihren Schlafsäcken ließen wir sie in Ruhe. Ein weiterer Bekannter war noch nicht an seinem Platz, und ein anderer, nennen wir ihn einfach Klaus, war noch wach. Für Klaus und einen Bekannten von ihm gab es erst einmal was zu Essen. Selbst zwei Security Mitarbeiter, die dort arbeiteten gesellten sich kurz zu uns. Auch sie bekamen einen Kaffee. Bei Klaus blieben wir ebenfalls knapp eine Stunde. Aber man soll ja bekanntlich gehen wenn es am schönsten ist. So verabschiedeten wir uns von Klaus und fuhren nach Hause.
Heute waren es nicht viele, aber die Gespräche waren tiefer und länger. Bald sind wir wieder unterwegs und genau da drauf freuen wir uns.
Gute Nacht, euer Lichtschmiede e. V. Team