26. Juli 2026

Wir haben Zeit

Nachdem das Ziel – Wuppertal – geklärt ist, die nächste Standardfrage: Wie viele Kannen heißes Wasser nehmen wir mit? Alle Boxen und Taschen werden kontrolliert und ggf. aufgefüllt, als Zugabe gibt es heute Bananen!

Regengebiet über Wuppertal, Gudrun ist optimistisch: "Das hört gleich wieder auf."

Und tatsächlich: Als wir die erste Anlaufstelle erreichen, dröppelt es nur noch.

Niemand da, vielleicht treffen wir ihn am Bahnhof.

Der nächste unserer Bekannten ist "Zuhause" und freut sich sehr, uns zu sehen. Seine Wünsche sind immer sehr bescheiden, wir würden gerne mehr geben, respektieren natürlich sein "Danke, nein".

In der Fußgängerzone treffen wir an einer Anlaufstelle drei obdachlose Menschen an, zum Schlafen bereit gemacht, die jedoch sofort aufstehen, als wir anhalten.

Sehr schnell kommen weitere hinzu – so viel los war hier noch nie. Egal, wir dürfen helfen – deshalb sind wir hier.

Eine der Damen, die sich hier niedergelassen hat, ist total glücklich über eine Isomatte und breitet sie umgehend aus.

Die Dame mit der milimeterkurzen Zündschnur ist erstaunlich friedlich, aber ein in ihren Ohren falscher Ton – und die Zündschnur ist gezündet. Wir können sie so gerade eben noch löschen.

Weiter geht's, aber weit kommen wir nicht:

Da steht ein Bekannter und schnell kommt ein weiterer Herr hinzu, der sich völlig begeistert von uns zeigt und sich ausgiebig bedankt, wir – die Lichtschmiede e. V. – hätten ihm schon so oft geholfen. Er sehe nicht so aus – aber auch er sei obdachlos. Beide haben Redebedarf, wir haben Zeit und Interesse und so erfahren wir wieder neue, bewegende Lebensgeschichten.

Es kommen weitere Menschen zu uns, die wir versorgen dürfen und dann verabschieden wir uns.

Hauptbahnhof – und der vertraute Anblick unserer Stammgäste. Eine Vertrautheit, die einfach gut tut.

Wie bereits in der Fußgängerzone wird es auch hier sehr voll, wir müssen mehrmals bitten, Abstand zum Wagen zu halten. Alle kommen an die Reihe, drängeln nützt nix. Ein Herr ist besonders penetrant, eine zum Glück seltene, unangenehme Begegnung.

Wir haben es bereits in der Fußgängerzone geahnt: Die Kannen sind schnell leer. Wir fragen im "Rewe to Go" nach. Zunächst überlegt der Angestellte, wie er das verbuchen soll. Als ich erkläre, welcher Verein wir sind, zeigt er auf die Kaffeeautomaten: "Nehmen Sie!" Und wieder mal ein großes Dankeschön für Anerkennung und Unterstützung unseres Engagements!

Irgendwann ist nicht nur die Kanne leer – unser Wagen ebenfalls. Komplett. Auch die Bananen wurden mit Begeisterung angenommen.

Als wir zur Rückfahrt aufbrechen wollen, kommt noch ein Nachzügler eilig zu uns: "Habt ihr Schlafsack?" Nein – auch den haben wir nicht mehr.

Abschiedsritual Winken, ich wende den Wagen und Gudrun und ich haben auf der Rückfahrt so einiges zu reflektieren.

Passt gut auf euch auf sagen

Gudrun und Karin
von der Lichtschmiede e. V.