26. April 2026
Zuhören, reden ist manchmal fast noch wichtiger
Heute geht’s zu Dritt auf Tour. Ende des Monats ist mit mehr Hilfsbedürftigen zu rechnen, entsprechend packen wir den Wagen und starten Richtung Witten.
Wir sprechen über alles Mögliche, tauschen auch Informationen zu den Menschen, die wir versorgen, aus. Relevantes wird außerdem in unserer WhatsApp-Gruppe für die Straßenteams eingetragen, so dass nichts an für alle wichtigen Informationen verloren geht.
In Witten treffen wir auf einen uns gut bekannten Herrn, der sich an einem neuen Platz niedergelassen hat. An seinem ursprünglichen Stammplatz hat er einen Platzverweis erhalten, wir fragen lieber nicht, warum.
Ich frage jedoch, ob er nicht sonst einen Einkaufswagen gehabt hätte. Er ist mühsam dabei, sich auf seiner Decke niederzulassen und brummelt: "Ja, vier." Christian und ich gucken uns an und müssen schmunzeln. Ein ernst gemeintes "Pass auf dich auf" und wir fahren weiter.
Die zwei, die wir nun versorgen dürfen, sind ein alter Bekannter und eine uns unbekannte Dame. Leider greift hier wieder die Sprachbarriere, der Herr kann zum Glück ganz gut Deutsch und übersetzt. So wirklich einfach ist die Verständigung trotzdem nicht, hin und wieder scheint sie sehr unzufrieden zu sein. Nachdem beide versorgt sind und wir uns verabschieden, steht jedenfalls eines fest: Christian hat eine neue Verehrerin!
Wir treffen wieder die Dame, die nie etwas aus unserem Vorrat möchte. Mich erstaunt immer wieder, wenn sie, die auf der Straße leben, nichts von uns brauchen. Andreas sagt, wenn sie genug zu trinken haben, satt sind, lehnen sie ab – je weniger sie besitzen, desto weniger müssen sie mit sich herumtragen. Überzeugendes Argument.
Es geht zu Orten, die ich als potenzielle Rückzugsorte noch nicht kannte, die gut geeignet, jedoch jetzt "unbewohnt" sind. Sie werden jedoch auf jeden Fall wieder angefahren.
Ich frage Andreas nach einem jungen Obdachlosen mit psychischen Problemen, den ich von früher her kenne. Andreas nennt seinen Namen – ja, der ist es. Er sagt, dass man ihn immer wieder antrifft und dass er mit seiner Mutter, die sich große Sorgen um ihn macht und oft nachts sucht, in Kontakt steht. Auch das ist die Lichtschmiede: Angehörige mit einzubeziehen, auch für sie erreichbar zu sein.
Irgendwann erreichen wir Hagen, parken auf dem Bahnhofsvorplatz - und dann wird es richtig voll! Ich treffe Bekannte wieder, die ich aus der Zeit vor der Lichtschmiede kenne und freue mich, dass einer mich wiedererkennt.
Andreas und Christian haben mit der Ausgabe zu tun, einige der Anwesenden haben großen Redebedarf – ich höre zu. Einen Herrn kann ich kaum verstehen - mal wieder die Sprachbarriere -, aber das meiste kommt an und die Hauptsache ist, zuzuhören, behutsam nachzufragen, Vorschläge zu machen.
Der Bekannte von früher erzählt seine Geschichte, an die ich mich größtenteils noch erinnere. Er entschuldigt sich mehrmals, er wolle mich nicht belasten. Oh nein, das kann er gar nicht. Das gehört nicht nur zu unserem Job, sondern das ist auch wichtig für uns.
Wieder am Lager sage ich, dass ich ja ausgabetechnisch jetzt nicht so viel beigetragen habe. Andreas und Christian winken ab. Christian: "Zuhören, reden ist manchmal fast noch wichtiger."
Hört euch zu, redet miteinander – und passt gut auf euch auf
Andreas, Christian und Karin
von der Lichtschmiede e. V.