26. Januar 2026

Wir versuchten zu verstehen, was wir erlebt haben

Leichter Regen, kalter Wind, aber kein Grund, eine Tour in die Nacht nicht zu fahren.

Also machten wir uns am Abend auf zu einer Tour, die uns reichlich Kopfschütteln, aber auch tiefgründige Gespräche beschert hat.

Beim durchqueren der Wittener Innenstadt trafen wir an diesem Abend einige Herren an, die sich an trockenen Plätzen ein Nachtquartier aufgeschlagen haben. Darunter ein für uns neues Gesicht. Wir stellten uns vor und fragten, ob und wie wir helfen können. Der Herr war sichtlich über unser Erscheinen überrascht und staunte nicht schlecht, dass es Menschen gibt, die sich spät abends in ihrer Freizeit ehrenamtlich für andere Menschen einsetzen. Wir durften mit frischer Unterwäsche und Socken helfen, aber sein größtes Anliegen wäre ein Einzelzimmer in einer Unterkunft mit eigenem Bad, etc. Etwas anderes käme für ihn nicht in Frage.

Wahrlich ein Wunsch, den natürlich ganz viele Menschen ohne feste Bleibe äußern.

Carina und mir verschlug es im Nachhinein die Sprache, mit welchem Selbstverständnis er darauf beharrte. Irgendwie verständlich, aber in der heutigen Zeit leider sehr unrealistisch.

Auf unserem weiteren Weg durch Wetter und Hagen trafen wir an diesem Abend vergleichsweise wenig bedürftige Menschen an. So bot sich aber auch die Gelegenheit für längere und intensive Gespräche über die Situationen und Probleme der hilfsbedürftigen Menschen.

Ein Herr erzählte uns, er sei immer gerne hilfsbereit gewesen und hat in seiner kleinen Wohnung auch andere teils obdachlose Menschen übernachten lassen. Leider wurde immer und immer wieder seine Gutmütigkeit schamlos ausgenutzt. Persönliche und wertvolle Dinge wurden zerstört oder teilweise mit körperlicher Gewalt entwendet und zu Geld gemacht.

Eine Situation, die einem selbst schon gesundheitlich angeschlagen Mann mental sehr zugesetzt hat und fast zu einer schwerwiegenden persönlichen Entscheidung geführt hätte.

Wir redeten lange und intensiv und versuchten seine Gedanken wieder auf einen vernünftigen Weg zu bringen. Wir sind zwar alle keine ausgebildeten Psychologen, aber trotzdem war der Herr sehr dankbar für die Zeit, die wir ihm schenkten und er möchte versuchen, seinen weiteren Lebensweg wieder in geregelte Bahnen zu bekommen.

Gegen Mitternacht machten wir uns dann langsam auf den Weg zurück zum Lager, immer noch in Gedanken über das zuvor erlebte. Wir diskutierten über diverse Punkte, versuchten zu verstehen, was wir erlebt haben - ein wichtiger Abschluss einer jeden Tour.

Passt alle gut auf euch und eure Mitmenschen auf sagen

Carina und Olaf

vom Team Lichtschmiede e. V.