22. September 2026

Die Angst vor der Kälte beginnt

Wir packten das Vereinsauto. Mit dabei waren diesmal auch Decken, die uns jemand gespendet hatte. Eigentlich verteilen wir keine Wolldecken. Gerade im Winter können sie gefährlich werden: Sie speichern Feuchtigkeit und können sich bei Kälte schnell in einen eiskalten „Kühlschrank“ verwandeln.

Aber manchmal gibt es Ausnahmen.

Ein sehr bescheidener Mensch, den wir schon lange kennen, nutzt Wolldecken seit Jahren verantwortungsvoll und weiß um die Gefahren. Ausgerechnet ihm waren seine Decken gestohlen worden. Also nahmen wir die gespendeten Decken mit. Am Bahnhof trafen wir ihn wieder. Er war sichtlich erfreut und dankbar, als wir ihm die Decken übergaben.

Nun baut er sich sein kleines Lager wieder auf: eine dicke Matte, ein Schlafsack und die Decken. Alles Dinge, die er aus unseren Beständen bekommen hat. Ein Stück Wärme. Ein Stück Sicherheit.

Und dann erklärte er uns, warum gerade im Herbst so viel gestohlen wird:
„Ja, wie immer im Herbst haben die Obdachlosen Angst vor der Kälte. Dann horten und hamstern sie alles, was sie kriegen können.“

Ein Satz, der nachdenklich macht. Denn für viele von uns bedeutet Herbst: bunte Blätter, Kerzenlicht, gemütliche Abende.

Für Menschen auf der Straße bedeutet Herbst vor allem eines: Die Angst vor der Kälte beginnt.

Unsere Tour war an diesem Mittwoch noch entspannt. Wir konnten Hunger stillen und Schlafsäcke, Zelte, Isomatten und warme Pullover verteilen. Dinge, die jetzt vielleicht noch wie ganz normale Hilfen wirken.

In ein paar Wochen können sie überlebenswichtig sein.

Wir haben es heute schon gespürt: Der Winter kommt näher. Und mit ihm beginnt für viele Menschen auf der Straße wieder ein harter Kampf ums Überleben.

Wir können die Kälte nicht verhindern. Wir können nicht für jeden einen sicheren Ort schaffen.

Aber wir können da sein.

Verlässlich. Auch dann, wenn es richtig kalt wird.

Passt gut auf euch auf, sagen
Olaf und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.