20. Mai 2026
Ein Ausdruck von Respekt und Anerkennung
Große Freude am Lager: Die Terrinenregale sind wieder aufgefüllt! Dafür einen großen Dank an die fleißigen Helferlein im Hintergrund, die immer dafür sorgen, das die Regale nie restlos leer werden.
Zügig packen wir den Wagen – es muss so ziemlich alles aufgefüllt werden – besprechen kurz die Route und starten.
Carina und ich fahren zum ersten Mal zusammen raus und so ist die Fahrt eine gute Gelegenheit, uns kennenzulernen. Es ist immer interessant zu erfahren, aus welchen Gründen sich jemand ausgerechnet für dieses Ehrenamt interessiert und warum für die Lichtschmiede e. V. Der rege Zuwachs zeigt, dass diesem Verein ein guter Ruf voraus eilt.
In Vohwinkel beobachtet ein junger Mann mit Hund unseren Wagen und kommt näher, als Carina ihn fragt, ob er etwas benötigt. Er ist tatsächlich hilfsbedürftig, findet unsere Arbeit toll und nimmt gerne etwas entgegen.
Danach erwartet uns die Saures liebende Dame sowie ein weiterer Herr. Alle versorgt und weiter zum geht's zum nächsten Aufenthaltsort, dort ist jedoch niemand Zuhause, auch beim übernächsten nicht.
Auf der Weiterfahrt sehen wir drei junge Leute. Einer von ihnen erkennt den Wagen, winkt – und ich rufe erfreut seinen Namen, ich kenne ihn schon lange!
Er hatte vor zwei Jahren einen schlimmen Unfall mit Schädelbruch, der mit einer Titanplatte verschlossen wurde. Ich fahre rechts ran, freue mich, dass er mich ebenfalls wiedererkennt.
Er hat eine siebenwöchige Entgiftung hinter sich, ist gut gelaunt und froh und dankbar, dass wir ihn mit allem Notwendigen versorgen können.
Carina fragt mich später im Wagen, wie er wirklich heißt – ich hatte ihn mit seinem Fantasienamen angesprochen, der sehr fantasievoll ist. Das hatte ich ihn damals auch gefragt, er hat nur verschmitzt gelächelt und seinen Fantasienamen wiederholt. Meine Vermutung ist, dass sein richtiger Name für sein Leben vor der Straße steht, sein Fantasiename für das jetzige.
Irgendwann erreichen wir unsere letzte Anlaufstelle Hauptbahnhof. Großes Hallo und großer Andrang, so ist der Hinweis, etwas Abstand zu halten, mehrmals erforderlich. Das ist auch ein Phänomen: Die Menschen, die uns länger kennen, sorgen manchmal dafür, dass diejenigen, die neu sind, sich benehmen, sprich nicht aufdringlich sind und sich nicht vordrängeln.
Ich werde manchmal gefragt, ob ich keine Angst habe. Eindeutige Antwort: NEIN! Eine bedrohliche Situation habe ich noch nie erlebt, wenn es etwas ungemütlich wird, tragen sie das untereinander aus.
Es ist etwa zwei Jahre her, wir waren zwei Frauen vor Ort. Ein obdachloser Herr versicherte mir strahlend: "Ich bleibe bis zum Schluss bei euch, ich passe auf euch auf!" Er war einen halben Kopf kleiner als ich und man sah ihm seine Harmlosigkeit und Freundlichkeit förmlich an. Es war total rührend und ein Ausdruck von Respekt und Anerkennung uns gegenüber.
Carina ist vornehmlich mit der Ausgabe von Terrinen & Co. beschäftigt, ich mit der Ausgabe von Kleidung. Zwei Herren fragen nach Schuhen Größe 43 – ein Paar kann ich anbieten. Wer bekommt es nun? Ein weiterer Herr und ich entscheiden: Der mit den Stoffschuhen gewinnt, die Lederschuhe des anderen sehen noch sehr intakt aus.
Natürlich ist die Enttäuschung, wenn gewünschte Kleidungsstücke nicht in passender Größe vorhanden sind, groß. Dann müssen wir halt darauf hinweisen, dass Kleidung nicht zu unserem üblichen Sortiment gehört und wir nur das rausgeben können, was gespendet wird. Für Kleidung sind in erster Linie Kleiderkammern zuständig.
Irgendwann sind alle zufrieden, dankbare Gesichter und Winken zum Abschied und es geht Richtung Lager.
Es war wieder eine gute Tour.
Passt gut auf euch auf sagen
Carina und Karin
von der Lichtschmiede e. V.