16. August 2026
"Die Straße tötet mich"
Gleich zwei Überraschungen erwarten uns am Lager: Jede Menge Plattpfirsiche und etliche Bananen warten aufs Verteilen. Und: Der Wagen ist gepackt! Steffi und ich sind zunächst ratlos – aber es klärt sich auf. Ein Teammitglied hatte etwas im Lager zu erledigen und dachte sich, dann könne es auch gleich den Wagen packen! Vielen Dank an die Obstspenderin und an den Packer!
Leicht aus dem Konzept gebracht, aber gut gelaunt, starten wir also unsere Tour Richtung Witten.
Wie immer sind einige Zufluchtsorte leer, an anderen treffen wir Menschen, denen wir helfen dürfen. Ein Herr erzählt stolz, dass er sich an einem Wasserspender im Krankenhaus die Haare gewaschen hat. Pfirsiche und Bananen werden dankbar angenommen, eine willkommene Abwechslung zu Terrinen, Haribo und Schokolade.
Weiter geht’s Richtung Hagen und zum Hauptbahnhof. Kaum haben wir geparkt, als sich auch schon eine Menschentraube an der Heckklappe gebildet hat.
Wir müssen einige Male um Abstand bitten – jeder kommt dran, aber nicht alle gleichzeitig!
Verständnisvolle Nicken, aber kurz darauf ist die Bitte wieder vergessen.
Es wird ruhiger, als die meisten versorgt sind. Als wir die Pfirsiche und Bananen anbieten, erhellen sich die Gesichter – es bereitet auch uns Freude, die Freude unserer Gäste zu sehen!
Ein Herr fällt auf. Er sieht nicht nach einem Leben auf der Straße aus, ist offenbar auch noch nicht lange obdachlos. Der Herr, den wir den "Aufpasser" nennen, nimmt sich seiner an und verabredet sich mit ihm für Montag, um mit ihm zu Luthers Waschsalon zu gehen, wo er sich waschen und Kleidung erhalten kann, dann weiter zur Tafel und anschließend noch zu Max Bahr, wo er die Nacht verbringen kann. Der Aufpasser ist auch ein Kümmerer!
Zuletzt noch eine Runde durch die Fußgängerzone. Wir halten bei einem Herrn, der Hilfe benötigen könnte. Er erhält außer etwas zu essen und zu trinken auch eine Isomatte, einen Schlafsack hat er noch.
Und dann erzählt er etwas, was uns lange beschäftigt.
Er soll Montag um 8 Uhr im Krankenhaus sein. Dann könnte ihm im schlimmsten Fall ein Bein oberhalb des Knies abgenommen werden. Anschließend käme er in eine Reha, dann würde eine Therapie folgen und irgendwann bekäme er dann eine Prothese.
Wir bitten ihn inständig, wenn es tatsächlich dazu käme, das als Chance zu nutzen, um auch weg von der Straße zu kommen.
Er versichert, dass das sein Ziel ist: "Die Straße tötet mich."
Es war ein heftiger Abschluss unserer Tour.
Passt auf euch auf!
Steffi und Karin
von der Lichtschmiede e. V.