12. August 2026

Eine Tour mit Überraschungen

Der Wagen ist gepackt und Monika und ich beschließen, doch Vohwinkel anzusteuern, obwohl wir unsere Bekannten seit den Renovierungsarbeiten nicht mehr dort angetroffen haben. Auch jetzt sind sie nicht zu sehen, offenbar haben sie sich doch einen neuen Unterschlupf gesucht.

Beim nächsten Stopp erleben wir eine Überraschung: Unser Bekannter kommt nach unserem Ruf "Lichtschmiede!" aus dem Gebüsch und erklärt uns: "Hier sind jetzt sechs – bei mir hier drei und weiter hinten noch zwei, aber die sind jetzt nicht da." Tatsächlich kommen zögerlich drei Herren zum Vorschein, grüßen verlegen und staunen, was sie alles von uns erhalten können. Unser Bekannter benötigt ein neues Zelt, einer der Herren eine Isomatte. Unterwäsche und T-Shirts sowie Terrinen, Kaffee, Wasser und Süßes nehmen alle vier dankbar an.

Die nächste Überraschung erwartet uns gleich beim nächsten Halt: Unser Bekannter, der hier sehr lange gelebt hat, ist mitsamt seiner Habe verschwunden.

Allerdings entdecken wir ein Stück weiter ein neues Lager, jedoch ohne seinen Bewohner.

Wir werden bei der nächsten Tour also diese Stelle wieder anfahren.

Hauptbahnhof: Einige der "üblichen Verdächtigen" sehen wir schon von Weitem, schnell finden sich weitere Bekannte und wie immer auch Unbekannte ein.

Die dritte Überraschung des Abends ist ein neues Paar: Eine uns sehr gut und lange bekannte Dame hat sich mit einem Herrn zusammengetan – hoffentlich geht das gut und auch möglichst lange.

Obdachlose Frauen sind in der Minderzahl und auch unter obdachlosen Menschen gefährdet.

Wenn sich viele obdachlose Menschen am Wagen einfinden, entwickeln sich schon mal Hektik, Ungeduld und Spannung. Heute ist es zwar drummelig – aber friedlich. Sogar kurze Gespräche sind möglich, die uns sehr wichtig sind – so erfahren wir mehr über unsere Gäste, ihr Leben, ihre momentane Situation und können entsprechend unterstützen.

Vier Kannen Heißwasser sind irgendwann leer, die fünfte noch nicht ganz, als wir aufbrechen, um noch einen Abstecher in die Fußgängerzone zu machen.

Die Dame mit der ultrakurzen Zündschnur droht wieder zu eskalieren, dafür ist der Herr, der sich an derselben Stelle niedergelassen hat, umso friedlicher und dankbarer.

Ein kurzer Schlenker zu einem weiteren Ort, an dem wir hilfsbedürftige Menschen vermuten, wir treffen jedoch niemanden an und Monika fasst zusammen: "Dann geht’s jetzt zum Lager!"

Es war eine gute, friedliche Tour mit Überraschungen, Hoffnungen und vermutlich neuen Stammgästen.

Passt auf euch auf sagen

Monika und Karin
von der Lichtschmiede e. V.