09. Oktober 2026

Kleine Hoffnungen

Wir begannen die Tour in Vohwinkel und trafen dort auf einen Bekannten, der jedoch wunschlos war. Dafür waren unsere Zeltbewohner zu Hause und freuten sich über Weintrauben, Bananen und eine warme Mahlzeit.

Am Bahnhof war wieder großer Andrang. Während wir möglichst ruhig und entspannt einen nach dem anderen versorgten, kam ein junger Mann auf uns zu und drückte uns etwas Kleingeld in die Hand: „Das ist alles, was ich gerade an Geld dabeihabe, aber ich finde eure Arbeit einfach nur gut, und deshalb …“

Wir freuen uns über jede Spende, ganz gleich, wie klein sie ist. Aber mindestens genauso freuen wir uns über Menschen, die einfach hinschauen. Ganz lieben Dank!

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir in einem Hauseingang einen alten Bekannten. Sein Lager war vollgestopft mit seinen Habseligkeiten, darunter viele Bücher und zwei kleine Kisten. Darin hatte er vergeblich versucht, Tomaten und Erdbeeren zu ziehen. Übrig geblieben waren winzige Keimlinge, die den Herbst und Winter wohl nicht überstehen werden.

Bemerkenswert, dass er sich trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen er lebt, die Mühe gemacht hat, etwas wachsen zu lassen. Denn das Leben auf der Straße fordert so viel Kraft, dass für solche kleinen Hoffnungen oft kaum Energie bleibt.

Wenig später rannte jemand hinter unserem Wagen her: „Gerade noch euer Auto erkannt. Gott, bin ich froh, dass ihr da seid!“ Er brauchte alles: Schlafsack, Socken, Unterhosen, Terrine, Wasser, Rucksack …, denn er war seit Kurzem wieder auf der Straße.

Stolz erzählte er uns, dass er den Absprung von den harten Drogen geschafft hat. Doch nun ist Alkohol zu seinem Problem geworden. Eine Abhängigkeit überwunden und in die nächste geraten. So traurig, wie schwer es sein kann, wirklich frei zu werden.

Passt gut auf euch auf.

Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.