08. April 2026

Sie haben sich zunächst gestritten und dann beschlossen, dass es passt

Es ist ungewohnt, im Hellen zum Lager zu fahren, den Wagen zu packen und die Tour zu starten, aber auch sehr angenehm.

Wie immer besuchen wir zunächst die Dame in Vohwinkel – und wie immer erhält sie Saures und Getränke. Wie vermutet sind weitere Zufluchtsorte leer – sobald es länger hell und wärmer ist, sind obdachlose Menschen wieder länger unterwegs. Wir rollen in die Fußgängerzone und Frank ruft: "Da sind sie!" Ich sehe sie nicht sofort, achte eher auf viele Passanten, die noch unterwegs sind.

Es handelt sich um die beiden mit den mit Lichterketten geschmückten Fahrrädern, dem Hund – und ganz viel Deko! Für mich ist es die erste Begegnung mit diesem in Wuppertal und darüber hinaus bekannten Paar. Große Begrüßung und große Freude, ihr Hund allerdings muss erst noch überzeugt werden, dass wir die Guten sind. Die beiden sind seit 2024 zusammen – so originell wie beide sind, so originell war ihr Kennenlernen: Sie haben sich zunächst gestritten und dann beschlossen, dass es passt. Er erzählt stolz, dass es ein TikTok Video über sie gibt und einen Bericht. Sie sind einfach reizend!

Sie erzählen von einem Herrn, der neu auf der Straße ist und eine Grundausstattung benötigt. Verabredet war, dass er zum Treffpunkt kommt, wenn wir eintreffen. Sie erreichen ihn leider nicht und so verbleiben wir, dass wir zunächst andere Orte abfahren und später wiederkommen.

Viel los in Wuppertal: Immer wieder sehen wir Feuerwehr, Polizei, Blaulicht. Wir fahren auf den Bahnhofsvorplatz, wo es zum Glück zunächst sehr ruhig ist.

Der nette Herr, den ich von der Chili-Nudelterrine überzeugen konnte, grüßt von weitem und kommt zu uns. Die Dame, die sehr scheu ist, aber dennoch immer genau weiß, was sie möchte, winkt zaghaft. Wir freuen uns über jeden obdachlosen, hilfsbedürftigen Menschen, dem wir helfen dürfen – aber mit denen, die man schon länger kennt, von denen man auch Privates erfährt, da sind die Treffen doch noch mal etwas anders.

Zwei Herren nähern sich, schauen kurz zu und fragen, ob wir PayPal haben. Aber klar doch! Frank übergibt unsere Visitenkarte, sie sagen, wie gut und wichtig unsere Arbeit ist. Wir bedanken uns, sagen, dass es eine Herzenssache ist und hoffen, dass sie wirklich spenden. Wir sind davon überzeugt.

Irgendwann sind Frank und ich richtig im Stress. Geduld ist nicht gerade die Stärke vieler Menschen, die ihre Wünsche an uns richten. Aber mit Humor, Sprüchen und manchmal auch einem ernsten Wort bleibt es das, was es ist: Hilfe, die ankommt.

Wir verabschieden uns und fahren nochmals zu dem Paar mit den blinkenden Rädern, aber der Bekannte ist nicht erreichbar. Wir lassen eine Grundausstattung für ihn zurück, die beiden werden uns benachrichtigen. Die Vorräte sind ziemlich dezimiert, Frank schreibt noch einige Infos in die Straßenteam-Gruppe – und dann geht's wieder Richtung Lager.

Wie immer werden bemerkenswerte Begegnungen besprochen, mir geht das, was ich von einem jungen Herrn erfahren habe, nicht aus dem Kopf. So viel Elend.

Wir sind dankbar für das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird – und wieder: Die Welt können wir nicht retten, aber eine Nacht leichter machen.

Passt gut auf euch auf sagen

Frank und Karin

von der Lichtschmiede e. V.