04. Oktober 2026

Der Weg zurück

Gudrun und ich sind heute zur Witten-Hagen-Tour verabredet. Eine nette Überraschung am Lager: In der Kühlbox befinden sich etliche Becher mit Pudding. Wieder eine schöne Abwechslung für unsere Gäste!

An der ersten Anlaufstelle in Witten hält sich ein Obdachloser auf, den wir kennen, der jedoch nie Wünsche hat. Beim nächsten Stopp treffen wir auf eines unserer „Sorgenkinder“. Im Krankenhaus war er immer noch nicht, jedoch wurde er mittlerweile medizinisch versorgt. Er hat einige Schritte einleiten können und verspricht uns, dranzubleiben. Seine wie immer bescheidenen Wünsche erfüllen wir sehr gerne!

Die weitere Suche verläuft ergebnislos und so geht’s direkt nach Hagen und in die Fußgängerzone. Dort läuft uns gleich ein guter Bekannter über den Weg, der uns erfreut anstrahlt. Da wir ihn und seine Wünsche kennen, ist die Ausgabe trotz Sprachbarriere kein Problem.

Dieses Mal können wir auch mit einer neuen Hose dienen – die Löcher in seiner sind nicht zu übersehen. Unterwäsche und T-Shirt benötigt er ebenfalls.

Wir wollen gerade weiter, da kommt er erneut zum Wagen und bedeutet uns, dass etwas weiter jemand liegt.

Wir finden die Stelle und offenbar liegt dort schlafend nicht nur ein Herr. Wir sagen leise, wer wir sind, und der eine Herr öffnet die Augen, erkennt uns und richtet sich auf.

Protest des hinter ihm Liegenden: „Was’n los!“ – „Lichtschmiede!“ Gebrummel, ein Dritter taucht unter seinem Teil des Schlafsacks auf – sie teilen sich zu dritt einen.

Der Dritte in der Reihe ist ein weiteres „Sorgenkind“ – er muss dringend ins Krankenhaus, weiß es, geht aber nicht.

Sie sind sehr hungrig, froh über etwas Warmes. Jeder erhält zwei Terrinen, Süßes – und dann gehen noch zwei Schlafsäcke und Isomatten raus.

Diese drei, in der Kälte eng aneinandergekuschelt, ihre Freude und Dankbarkeit … das geht ans Herz.

Am Hauptbahnhof die Überraschung: Außer einem unserer Stammgäste ist zunächst niemand zu sehen. Wir warten noch eine Weile und beschließen, abzubrechen.

Kaum im Wagen, nähert sich eine Dame, gepflegt, äußerlich nicht in der Obdachlosigkeit zu verorten. Aber das heißt nichts, daher öffne ich die Fahrertür, um auszusteigen. Aber sie möchte nichts, sondern sie erzählt. Und Gudrun und ich hören begeistert zu.

Hier wie immer keine Details, nur so viel: Sie ist runter von der Straße, kommt immer wieder zum Hagener Hauptbahnhof, in dem sie so viel Zeit ihres Lebens verbracht hat, und kümmert sich um „ihre Jungs“ – Obdachlose, die auch wir kennen.

Es ist für uns von der Lichtschmiede e. V. eine große Freude, wenn wir die Rückmeldung erhalten, dass Menschen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben geschafft haben.

Mittlerweile sind doch noch einige hilfsbedürftige Menschen eingetroffen, die wir versorgen dürfen – aber irgendwann starten wir dann doch zu unserem letzten Einsatz: Die Polizei Ennepetal hat Interesse an unserem Verein und Flyern bekundet, die sie auf der Wache auslegen möchten.

Gudrun und ich haben reichlich Flyer eingepackt und bringen sie zur Wache mit dem Hinweis, dass sie sich gerne melden sollen, wenn wir unterstützen können.

Am Lager angekommen, bleiben wir noch einen Moment im Wagen sitzen, haben noch so einiges zu besprechen … über die Tour, die Menschen, das Leben…

Passt gut auf euch auf.

Gudrun und Karin
vom Team Lichtschmiede e. V.