30. Mai 2025
"Macht erstmal, ich warte"
Schon vor der Tour kontaktierte uns ein alter Bekannter. Wir verabredeten uns am Bahnhof.
Er hatte seine Wohnung Hals über Kopf verlassen, angeblich freiwillig, denn dort habe er viele Mitbewohner in Form von Ungeziefer gehabt. Wir mussten uns einige Beweisfotos anschauen und danach verspürten auch wir einen plötzlichen Juckreiz.
Der Kopf halt.
Nun benötige er ein Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte. Draußen schlafen ist manchmal die bessere Alternative.
Vorher hatten wir Vohwinkel angefahren und trafen dort die Dame, die immer gesprächiger wird. Fast schon zu viel, denn sie redet jetzt ununterbrochen und ihre kryptischen Botschaften sind schwer zu verstehen.
Jahrelang ließ sie sich ihren Kaffee oder Tee zum Schlafplatz bringen. Seit einiger Zeit kommt sie mit raus zum Wagen und beredet uns, oft provokativ, als suche sie ein Opfer für alles, was bei ihr schiefgelaufen ist. Wir bleiben entspannt und freundlich.
Wir führten an diesem Abend viele Gespräche und manchmal war es schwierig, diese nicht zu unterbrechen, um andere mit Terrinen, Heiß- und Kaltgetränken, Hygieneartikeln zu versorgen.
"Macht erstmal, ich warte," hörten wir entsprechend häufig. Und dann führten wir die Gespräche fort mit Menschen, die wir schon lange kennen, ihr Schicksal verfolgt haben.
Bei unserem letzten Stopp lernten wir einen für uns neuen Straßenmenschen kennen. Er konnte nicht aufstehen: Thrombose im Bein und keine Hilfe in Sicht, keine Krankenversicherung. Er freute sich sichtbar über ein Gespräch und eine Isomatte.
"Wenigstens nicht mehr so hart schlafen."
Passt gut auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.