22. März 2025
Ist das Eis nun gebrochen?
Wir beginnen unsere Tour immer in Vohwinkel und fahren dort die bekannten Schlafstellen an.
Auf unserem Weg trafen wir heute jemanden, den wir eigentlich in der Innenstadt vermuteten, zusammen mit seinen Freunden. Er hatte sich von ihnen getrennt, war jetzt lieber alleine unterwegs. Straßenfreundschaften werden durch ein gemeinsames Ziel zusammengehalten: Drogen zu beschaffen. Da gibt es wenig emotionale Verbundenheit, die über diesen Zweck hinausgeht. Das macht ihm zu schaffen.
All seine Habseligkeiten hatte er zurückgelassen und wir versorgten ihn mit einem Schlafsack, Hygieneartikeln, einer warmen Mahlzeit, Getränken und einem neuen Rucksack im Tarndesign. Er fragte nach einem Zelt, denn er hatte kurz zuvor einen sicheren Platz dafür entdeckt. Wir hatten keins dabei.
Sabine verabredete sich aber mit ihm für den nächsten Tag, um das Zelt nachzureichen.
In der Innenstadt erkannten wir schon von weitem einen Bekannten an seinen roten Haaren. Er ist äußerst zurückhaltend, fast schüchtern, spricht kaum. Als wir ihn sehr freundlich begrüßten, ging tatsächlich ein Strahlen über sein Gesicht, als hätten wir ihm ein Geschenk gemacht. Während wir am Wagen noch andere versorgten, stand er mit seiner Terrine etwas entfernt, beobachtete uns, lächelte. Ist das Eis nun gebrochen?
Wir versorgten auf unserer Tour durch die Stadt noch einige mit dem, was sie brauchten, aber der große Andrang blieb aus an diesem Abend. Viele Straßenmenschen waren unterwegs, denn die Stadt war voll, aufgrund der angenehmen Temperatur. Dann kann man noch lange Kasse machen.
Kurz vor Ende der Tour kam, wie fast jede Woche, ein Bekannter eilig auf uns zugerannt. Er muss immer die S-Bahn noch erreichen, die ihn in einen anderen Stadtteil bringt. Es war auch diesmal keine Zeit, die Terrine anzurühren, die er so gerne isst. Wir steckten schnell ein paar Getränke, etwas Süßes und die Instant-Mahlzeit in eine kleine Tasche, die das Design einer Melone hat. Eilig zog er mit dem Melonentäschchen an der Hand davon und es wirkte irgendwie skurril und witzig.
Passt auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.