13. Februar 2025
Mit dem Herzen sehen
Heute war für mich ein ganz besonderer Tag, weil ich nach einem dreiviertel Jahr Pause endlich wieder regelmäßig rausfahren kann.
Du vielleicht auch? Melde dich doch einfach mal!
Als ich morgens aus dem Fenster schaute, dachte ich: "Na toll! Deine erste Tour seit Langem – und es schneit erstmal." Der zweite Gedanke folgte direkt: "Dann weißt du umso mehr, warum du das hier eigentlich machst!"
Im Lager nahm mich Susanne in Empfang, und wir waren uns einig: Heute ging es vor allem um Wärme. Also suchte sie alles Mögliche zusammen – Handschuhe, Schals, Mützen, Socken, Fleecejacken und dicke Schuhe. Wir mussten schmunzeln, wie gut beladen unser Vereinswagen war, bereit, Menschen durch die kalte Nacht zu helfen.
Unsere Route führte uns nach Witten und Hagen.
Überall, wo wir Menschen trafen, wurden wir mit Freude empfangen – für eine heiße Suppe, etwas Süßes, Kaffee oder Tee, Handwärmer und neue Schuhe.
Fun Fact: In der Kälte haben unsere Schützlinge oft einen viel größeren Energiebedarf, weil der Körper ständig gegen die Temperaturen ankämpft.
Wir schauten sowohl in der Innenstadt als auch in abgelegenen Gebieten nach Schlafplätzen.
In einem entdeckten wir eine neue Matratze mit frischem Bettzeug – ein klares Zeichen, dass der Besitzer gerade nicht da war. Daneben lag Alufolie. Als erfahrenes Straßenteam wissen wir, was das bedeutet: Hier werden Drogen konsumiert.
Überhaupt spielte das Thema Drogen an diesem Abend eine Rolle.
Eine unserer Klientinnen wollte gerade Heroin konsumieren, als wir ankamen. Sie gab uns zu verstehen, dass sie gleich komme – doch der Suchtdruck war so stark, dass sie den Kick nicht einmal für fünf Minuten verschieben konnte.
Also warteten wir.
Schließlich konnten wir sie mit Suppe, Eistee, Schokolade, Socken, Duschgel und Damenhygieneartikeln versorgen.
In ihrem Zustand war sie emotional völlig instabil. Innerhalb weniger Minuten wechselte sie zwischen überschwänglichen Komplimenten – "Ihr seid soooo hübsch, jeder will euch heiraten!" – und heftigen Beschimpfungen.
Ich habe lange überlegt, ob ich das hier erwähnen soll. Aber genau das gehört zu unserem Ehrenamt: Es ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Menschen sind nicht perfekt – und trotzdem verdienen sie unser Mitgefühl.
Gerade wenn Drogen im Spiel sind, kann eine Situation schnell kippen. Aber Susanne und ich waren beruhigt zu sehen, dass wir als Frauenteam gut aufeinander aufpassen und alles unter Kontrolle hatten.
Und was noch schöner war: dass wir beide diese Menschen mit dem Herzen sehen.
Deshalb haben wir der Frau die allerschönsten handgestrickten Socken gegeben, die wir dabei hatten – einfach, damit ihr Tag mit einer kleinen Geste endet, die ihr zeigt: Wir verurteilen dich nicht. Wir freuen uns, wenn du in all dem Elend etwas Schönes hast – etwas, das nicht nur die Füße, sondern auch das Herz wärmt.
Ich freue mich schon jetzt mehr, als ich in Worte fassen kann, auf die nächste Tour.
Und ein riesiges Dankeschön an alle, die nicht so oft hier auftauchen – die das Lager befüllen, Sachspenden verwalten, Lebensmittel kaufen, das Auto in Schuss halten und bei Familienfesten am Infostand erzählen, warum wir das alle so gerne machen.
Ihr seid genauso wichtig wie die, die rausfahren.
Passt gut auf euch auf sagen
Kathrin und Susanne
vom Team Lichtschmiede e. V.