11. November 2025
Das sind die Menschen, für die wir uns immer wieder auf den Weg machen
Es war ein Abend mit ständig wechselnden Eindrücken.
Olaf und ich machten uns über Witten und Wetter auf nach Hagen.
Während wir die Straßen nach Hilfsbedürftigen absuchten, fiel uns auf, dass schon einige Häuser und Vorgärten im vorweihnachtlichen Lichterglanz erstrahlten. Ich liebe diese Zeit, bin gerne im Dunkeln draußen und erfreue mich an den schön geschmückten Orten.
Doch an diesem Abend, in unserer Mission unterwegs, bedrückte uns der Gedanke, dass es auf der einen Seite die Menschen mit einem Zuhause gibt, das sie sich so richtig gemütlich und festlich herausputzen können und auf der anderen Seite eben die Menschen, die von der Hand im Mund leben. Die sich jeden Abend mit dem bangen Gedanken an das, was die Nacht für sie bereithält, schlafen legen - auf durchnässten Lagern, so platziert, dass Büsche ihre Anwesenheit verbergen, um möglichst wenig Aufmerksamkeit jedweder Form zu erregen.
Dann entdeckten wir an Busbahnhöfen letzte verkleidete Nachzügler der ersten Karnevalspartys in den lustigsten und verrücktesten Kostümen, fröhlich angeheitert, vielleicht auch schon müde vom Feiern und Alkohol. Auch da erschütterte uns der krasse Gegensatz zu den Menschen, die den Alkohol als Flucht aus der harten Realität brauchen, die keinen Weg aus ihrer Sucht herausfinden, was ganz häufig zu dem Dasein auf den Straßen geführt hat.
Später am Hagener Hauptbahnhof wurden wir bereits erwartet. Auch hier waren die Reaktionen so unterschiedlich und gegensätzlich wie schon unsere Eindrücke den ganzen Abend über.
Jeder der uns erwartenden Menschen war höflich, zurückhaltend und sehr dankbar für die Hilfe, die wir leisten konnten. Ganz vereinzelt aber gab es Kandidaten, die weder ein Hallo noch ein freundliches Wort übrighatten, die unser Angebot im Kofferraum nicht mochten, uns dann noch vorwerfen wollten, schlecht von ihnen zu denken und dann ohne danke oder Gruß auch wieder verschwanden. Zum Glück sind das Einzelfälle!
Bei allen anderen merkt man sehr, dass die Fürsorge ihnen sichtlich guttut. Sie halten sich bis zu unserem Aufbruch in der Nähe auf, nicht um noch mehr Dinge abzugreifen, sondern um sich einfach so lange wie möglich in einer Atmosphäre aus Wohlwollen und Mitgefühl aufzuhalten und die Gegenwart von Menschen zu genießen, die nicht verurteilen, sondern versuchen, die dringendsten Bedürfnisse zu stillen und eine weitere Nacht erträglich zu machen. Das sind die Menschen, für die wir uns immer wieder auf den Weg machen.
Passt gut auf euch auf.
Olaf und Katja
vom Team Lichtschmiede e. V.