11. April 2025

Als wäre er nie weg gewesen

Auf dieser Tour freuten wir uns sehr, zwei alte Bekannte wiederzusehen. Mit ihr hatten wir seinerzeit viele Höhen und Tiefen erlebt.

Zeiten, in denen es ihr gut ging, wir lange und sehr unterhaltsame Gespräche geführt hatten. Und auch Zeiten, in denen das nicht möglich war, weil sie körperlich und psychisch sehr angeschlagen war und wir sie nur notdürftig versorgen konnten. Verzweifelte Telefonanrufe bis in die Nacht oftmals und Versuche etwas Zuversicht ins Dunkel zu bringen.

Seit ca. 2 Jahren hat sie nun eine Wohnung und wir hatten sie nur selten gesehen. Aber sie ist immer noch bedürftig und hatte angerufen, weil sie einen Rucksack brauchte.

Da umarmt man sich auch mal lange, weil man sich freut, den anderen gesund und psychisch stabil wiederzusehen.

Ein anderer Bekannter stand plötzlich vor uns ... nach zwei Monaten Haft. Er wirkte sehr aufgeräumt, hatte einen Ausweis beantragt und hatte Pläne. Er freute sich über die Terrine, Hygieneartikel, Socken...Als wäre er nie weg gewesen.

Am Bahnhof fiel uns jemand mit seinen Gehstützen fast ins Auto. Der Alkohol machte auch das Sprechen unmöglich. Wir mussten alle Energie aufbringen, ihn vom Auto weg, hin zu einem sicheren Ort an einer Hauswand zu lotsen. Ab und an schlug er mit den Krücken um sich und da war nur Abstand halten angesagt. Die Terrine, der Kaffee wären nur auf der Straße gelandet.

Die Straße ist bunt, unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen psychischen Lebenslagen, mit denen wir konfrontiert werden und auf die wir irgendwie angemessen und hilfreich reagieren müssen. Oft auch die Frage: "Sollen wir jetzt gehen oder besser den RTW rufen?" In diesem Fall entschieden wir uns dagegen, weil wir ihn schon häufig so erlebt haben und auch anders. Und dann kann man nur hoffen, dass wir ihn beim nächsten Mal wieder wie gewohnt versorgen können.

Passt auf euch auf.

Sabine und Monika

vom Team Lichtschmiede e.V