06. November 2025
Natürlich nahmen wir uns die Zeit und lauschten seinen Worten
Heute kamen Susanne und ich teils aus dem Staunen nicht mehr heraus. So viele unterschiedliche Eindrücke an einem Abend erleben wir auch selten.
Zunächst besuchten wir in Witten einen Herrn, der nun schon seit fast einem Jahr in einem Gebüsch auf zwei Matratzen haust. Bei Regen nur durch zwei Schirme geschützt, sonst alles klamm und ungemütlich, eine Situation, die wir gerne vor der großen Kälte noch ändern möchten. Nach einem längeren Gespräch gab er uns sein Einverständnis, dass wir uns nach einer ihm gerechten Einrichtung umschauen dürfen, welche auch seiner gesundheitlichen Probleme gerecht wird.
Weiter ging es nach Hagen, wo wir auf unserer großen Runde viele einzelne Schicksale antrafen. Da waren zum einen die drei Herren, welche wir schon seit Wochen vermisst haben. Sie ziehen tagsüber trotz erheblicher körperlicher Einschränkungen mit dicken Matratzen, etlichen Taschen, Rollator und Krücken von Platz zu Platz, um neue Schlafstellen zu finden. Sie waren hungrig und wir versorgten sie auch mit allem Nötigen.
Ein Stück weiter trafen wir auf einen Herren, den wir noch nicht kannten. Nach seinen Aussagen lebt er schon seit einem Jahr auf den Straßen Hagens. Mal hier, mal dort. Teils auf der Flucht vor Menschen, die ihm nichts Gutes wollen, teils um bessere Stellen zum Schnorren zu finden. Er vertraute uns schnell und wollte uns unbedingt seine Lebensgeschichte in Kurzform erzählen. Natürlich nahmen wir uns die Zeit und lauschten seinen Worten. Wir spürten deutlich, dass es ihm gut tat und wir werden ihn auf unseren weiteren Touren besuchen.
Am Hauptbahnhof wurden wir bereits erwartet und wir freuten uns, dass es scheinbar allen bekannten Gesichtern den Umständen entsprechend gut ging. Doch plötzlich tauchte ein Herr an unserem Wagen auf und forderte lautstark ein neues Handy, welches wir ihm angeblich schon vor zwei Wochen versprochen hatten. Er schäumte vor Wut, als wir ihm sagten, das wir keine Versprechen solcher Art abgeben und er uns vermutlich mit einer anderen Hilfsorganisation verwechselt hat. Laut schimpfend ging er dann seiner Wege.
Es war spät geworden und weit nach Mitternacht ging es zurück Richtung Lager. Susanne und ich sprachen wie immer über das Erlebte. Ein wichtiger Punkt um gewisse Dinge zu verstehen und um auch den Kopf für die Nacht klar zu bekommen.
Passt gut auf euch auf sagen
Susanne und Olaf
vom Team Lichtschmiede e. V. - Hilfe, die ankommt