04. April 2025
Endlich einen Schlüssel
Es war sehr viel los auf der Straße. Überall trafen wir Straßenmenschen an, die wir versorgen konnten.
Wir fuhren los, nach ein paar Metern hielten wir wieder an, weil jemand in einem Hauseingang lag, uns zuwinkte oder ein Bekannter neben uns auf der Straße lief. Man kennt sich eben teilweise schon sehr lange.
Und wir lachten viel an diesem Abend. Ein alter Bekannter stand plötzlich vor uns und wir hatten das Gefühl, augenblicklich mitten in den Film "Fluch der Karibik" gebeamt worden zu sein. Die Pluderhosen, der lange Mantel, die ganze wilde Erscheinung erinnerte an die Crew eines Piratenschiffs.Er lachte mit uns und verstaute Getränke, Feuchttücher und Haribos in dem "Kürbistäschchen", das wir ihm gaben.
Wir hörten viele Geschichten, Erlebnisse, viele im Vertrauen erzählt. Es ist wichtig, dass diese Geschichten auch bei uns bleiben.
Ein Straßenmensch hat ab Montag wohl eine städtische Wohnung.
"Ich bekomme einen Schlüssel. Endlich einen Schlüssel. Abschließen und niemand kann rein. Niemand kann mir was klauen."
So einfache Gedanken, aber nachvollziehbar. Das größte Problem auf der Straße ist eben, sein Hab und Gut zu sichern.
Wir vermissen seit ein paar Wochen wieder jemanden, der jahrelang am gleichen Ort sein Lager hatte. Alles geräumt. Wo ist er? Alle wissen, dass wir ihn suchen und gestern kam dann jemand auf uns zu und berichtete, dass er ihn am Tag zuvor in der Stadt gesehen hatte. Das beruhigt.
Passt gut auf euch auf.
Monika und Sabine
vom Team Lichtschmiede e. V.