29. März 2024

Ein bisschen Ostern auf der Straße

Karfreitag. Auf der Straße hat dieser Tag eigentlich nur Relevanz, weil an diesem Feiertag wenig spendenfreudige Menschen unterwegs sind. "Heute war ein schlechter Tag", hörten wir denn auch oft.
Mit einer warmen Mahlzeit, einem heißen Getränk, einem kleinen Schoko-Osterhasen und einem bunten Ei konnten wir die Stimmung ein wenig aufbessern. Damit entlockten wir vielen ein Lächeln. Erinnerungen an die Kindheit eben. Vielleicht war das der Grund, warum unser Bekannter, den wir zu Beginn der Tour trafen, heute sehr ausführlich aus seiner schwierigen Kindheit berichtete. Da gleichen sich die Erzählungen der Straßenmenschen immer wieder. In der Familie liegt oft der Grundstein für ein Leben, das letztendlich auf der Straße endet.
In Vohwinkel saß das Paar, das wir oft schon in schwierigen Situationen mit gegenseitigen Beschimpfungen erlebt haben, einträchtig zusammen. Sie schauten Fotos auf dem Handy an. Schön, sie so zu sehen. Gemeinsam freuten sie sich über unsere kleinen Osterpräsente. Eine schöne Abwechslung zur obligatorischen Terrine, die sie immer gerne nehmen.
Am Bahnhof war es wieder trubelig. So viele Bedürftige standen an unserem Auto. Darunter auch ein alter Bekannter mit einer fast leeren Wodkaflasche in der Hand. Da tat ein Kaffee nur gut. Er ist ein sehr gutmütiger, höflicher Mensch, immer dankbar für alles. Aber der Alkohol macht es unmöglich, dass er den Absprung von der Straße schafft. Seit etlichen Jahren schon. So traurig.
Wenig später stand die junge Frau vor uns, die wir seit geraumer Zeit nicht mehr an ihrem Stammplatz angetroffen hatten. "Da schlafe ich nicht mehr. Da kamen immer Jugendliche, die mich angepöbelt und belästigt haben. Das hat mir zu viel Angst gemacht." Sie ist immer bescheiden, möchte höchstens mal ein Getränk. Aber heute freute sie sich sichtlich über den kleinen Schokohasen.
Ein buntes Ei und ein Hase aus Schokolade verließen noch häufig unser Auto. Wenigstens ein bisschen Ostern auf der Straße. Wir wünschen allen ein schönes und friedliches Osterfest.
Sabine und Monika und das Team der Lichtschmiede