24. Juli 2024

Nicht aufgeben

Die Schicksale, die Menschen zur hoffentlich nur vorläufigen "Endstation Straße" führen, sind sehr verschieden.

Heute erfuhren wir nähere Details eines mittlerweile guten Bekannten, der im Laufe der Zeit das Vertrauen zu uns aufgebaut und heute Redebedarf hatte. Er war sehr dankbar für die Zeit, die wir uns unterm Mondschein für ihn genommen haben. Dazu aber gleich mehr.

Zuerst fuhren Steffi und ich mit unserem vollgeladenen Vereinswagen die Städte Witten und Wetter an. Wir kontrollierten wie immer die uns bekannten Plätze und Verstecke, suchten aber, wie bei jeder Tour, auch immer wieder neue Straßen, Plätze und Parks auf.

Die Schlafplätze der Bedürftigen wechseln bekanntlich, wenn sie als nicht mehr sicher gelten.

Leider - oder vielleicht auch zum Glück - trafen wir hier aber heute niemanden an, der unsere Hilfe benötigte. Dafür erweckten wir mit unserem auffälligen Wagen die Aufmerksamkeit der vielen Besucher in Cafés und Biergärten. Diese waren an diesem trockenen Abend doch sehr gut besucht.

In Hagen wurden wir dagegen förmlich überrannt. Es bewahrheitet sich leider immer mehr, dass die Anzahl der Menschen, die zum Monatsende kein Geld mehr für Essen und Trinken übrig haben, immer weiter steigt.

Nachdem wir alle mit dem Nötigsten versorgt hatten, gesellte sich unser guter Bekannter zu uns und wir nahmen uns die Zeit, ihm zuzuhören. Er wollte, dass wir darüber berichten, um vielleicht eine Warnung an andere Menschen auszusprechen.

Er war lange Zeit als Maler und Lackierer selbstständig, hatte ein eigenes Haus und lebte in sicheren Verhältnissen. Dann geriet er ausgerechnet bei Freunden in eine private Spielrunde, bei der es um sehr viel Geld ging. Schneller, als er schauen konnte, waren innerhalb kürzester Zeit die Ersparnisse und auch Haus und Hof verzockt. Die Spirale abwärts begann sich immer schneller zu drehen.

Endstation Straße.

Der Versuch, Hilfe anzunehmen, scheiterte und er ist froh, zumindest Bürgergeld beziehen zu können. Aber er versicherte uns, dass er auch in seinem schon höheren Alter nicht aufgeben und wieder im Leben Fuß fassen möchte, um von der Straße wegzukommen.

Über diese bewegenden Eindrücken redeten Steffi und ich auf der Rückfahrt zum Lager. Es ist wichtig, in der Straßenarbeit mit solchen Geschichten gut umgehen zu können, daher ist der Austausch untereinander darüber sehr wichtig.

Passt gut auf euch auf

Steffi und Olaf

vom Team Lichtschmiede e. V.