13. November 2024
Auch das ist Hilfe, die ankommt
…etwas verspätet, aber nicht vergessen, kommt hier unser Bericht vom letzten Mittwoch.
Manchmal findet man einfach nicht die Zeit und Ruhe, sich hinzusetzen und seine Gedanken über den letzten Einsatz Revue passieren zu lassen.
Witten, Wetter und Hagen – drei Städte, die sich für eine Tour unter der Woche zeitlich gut kombinieren lassen. So auch heute, als ich Steffi, die beruflich voll eingespannt war, mit bereits gepacktem Wagen zu Hause abholte und wir uns gemeinsam auf den Weg machten. Teamplay wird bei uns ganz großgeschrieben.
Es regnete in Strömen, der Wind war kalt und wir hofften, dass möglichst alle Bedürftigen einen trockenen Platz für die Nacht gefunden hatten. Man spürte deutlich, dass der Winter mit großen Schritten näherkommt und die schlimmste Jahreszeit im Leben auf der Straße bevorsteht.
In Witten trafen wir den Herrn, den wir schon einmal mit seinen gepackten Einkaufswagen angetroffen hatten. Dieses Mal war es sogar noch ein Wagen mehr als zuvor, aber alles war gut sortiert und die Grundausstattung mit Dingen zum Überleben erstaunlich umfangreich.
Wir sprachen lange miteinander und er erzählte uns ausführlich, was er trotz des Lebens auf der Straße alles besitzt, woher er die Dinge hat und wie er sich mit seinem Alltag arrangiert.
Einfach mal zuhören, sich austauschen und wahrgenommen werden – all das ist für Menschen in Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit so wichtig. Wir hören gerne zu und schenken den Leuten unsere Zeit. Auch das ist Hilfe, die ankommt.
Der Herr freute sich riesig, als wir ihm zur heißen Terrine auch noch eine Dose Heringsfilet in Tomatensoße und ein paar Bifi anboten. Das Leuchten in seinen Augen bestätigte uns wieder einmal, dass wir mit unserer Hilfe genau richtig sind. Denn Geld für ein bisschen "Luxus" hat man als obdachloser Mensch in der Regel nicht.
Dann zauberte er aus einem seiner Einkaufswagen auch noch ein Feldbett zum Aufklappen hervor. Wir waren sprachlos – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Er macht das Beste aus seiner Situation und dafür zollen wir ihm höchsten Respekt.
In Hagen trafen wir später auf einen Mann, der es sich in einer Bushaltestelle „bequem“ gemacht hatte. Er lag auf den harten Gittergestellen, aber immerhin mit einem Schlafsack zugedeckt.
Wir stoppten sofort und fragten, ob wir ihm helfen und etwas Gutes tun könnten. Er richtete sich auf und wir staunten, wie gepflegt der Herr wirkte. Die Haare waren frisch geschnitten, die Kleidung hochwertig und sauber. Wir fragten ihn, wie es dazu gekommen sei, dass wir ihn hier antreffen, und ob er die Nacht nicht lieber in einem warmen Bett verbringen würde.
Auch er hatte Redebedarf und wir nahmen uns erneut die Zeit, ihm zuzuhören und uns mit ihm auszutauschen.
Er ist Frührentner, bezieht nach eigenen Angaben eine recht gute Rente, hatte aber keine Lust mehr auf ein Leben in Deutschland. Deshalb kündigte er seine Wohnung und landete zunächst in einer Notunterkunft in Hagen. Seine Pläne ließen sich offenbar nicht so einfach umsetzen, wie er es sich vorgestellt hatte.
Und wie wir es schon so oft erlebt haben, verließ auch er diese Unterkunft wieder. Die Zustände seien in seinen Augen katastrophal. Eingetretene Zimmertüren, hygienische Missstände, Diebstahl und Gewalt spiegelten dort den Alltag wider. Nichts für ihn, wie er sagte – deshalb lieber ein hoffentlich nur vorübergehendes Leben auf der Straße.
Er kennt alle Anlaufstellen und weiß, wo er im Notfall Hilfe bekommen kann. So fuhren wir weiter und wünschten ihm viel Glück bei der Umsetzung seiner Träume.
Aufgrund des Wetters trafen wir kaum weitere Bedürftige an.
Unsere Hoffnung, dass alle einen trockenen Platz für die Nacht gefunden hatten, schien sich zu erfüllen.
So konnten wir mit einem guten Gefühl den Rückweg antreten.
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Passt alle gut auf euch auf.
Olaf und Steffi
vom Team Lichtschmiede e. V. – Hilfe, die ankommt!