13. August 2024

Charaktere, die uns überall begegnen

Viele Straßenmenschen waren noch unterwegs an diesem lauen Sommerabend, um in den belebten Vierteln zu "schnorren", wie sie es nennen. Und so trafen wir auch einige nicht an ihren Stammplätzen an.

Wir fuhren durch die Straßen und entdeckten eine junge Frau, die seit kurzem eine Wohnung hat, aber sehr bedürftig ist. Sie fegte gerade einen Kiosk aus, hat hier Arbeit gefunden und arbeitet rund um die Uhr.

Was sie benötigte war Unterwäsche.

"Keine Zeit zum Waschen."

Sie vermisst ihren kleinen Hund, den sie vor einem halben Jahr einer Bekannten in Obhut geben musste. Nie mehr gesehen. Ja, wir halten die Augen offen.

Eine beliebte Anlaufstelle war wie immer der Bahnhof. Natürlich war Wasser sehr gefragt, aber auch Kaffee und Schuhe...Schuhe...Schuhe.

Da wird es dann oft schwierig, denn wir haben nicht für jeden die passende Größe dabei.

Was ging, gaben wir aus und da ist die eine Nummer größer auch meist kein Problem. Einfach zwei paar Socken anziehen. Man wird bescheiden auf der Platte.

"Geht schon."

Ein junger Mann, den wir zum ersten Mal sahen, erzählte uns seine Geschichte: Aus der Wohnung rausgeflogen, auf der Straße, alle Sachen nebst Handy gestohlen worden und sehr verzweifelt.

Er hatte eine Tasche voller Reiseführer, die er online verkaufen wollte, aber ohne Handy keine Chance.

Er benötigte dringend Hygieneartikel und auch Schuhe, aber unser Vorrat an Schuhen war aufgebraucht. Aber wir haben es im Blick und eines unserer Teams wird bei der nächsten Tour ein Paar für ihn einpacken.

Während ich einen alten Bekannten mit kalten Getränken versorgte und mich mit diesem sehr zurückhaltenden und bescheidenen Menschen unterhielt, geriet Sabine in eine etwas stressige Situation.

Nicht alle Menschen auf der Straße sind bescheiden und genügsam. Hier spiegeln sich alle Charaktere wieder, die einem auch ansonsten begegnen.

Die beiden alten Bekannten forderten wieder einmal alles, was ihre Augen im Wagen erblickten und dann muss man sehr deutlich darauf hinweisen, dass wir die Spenden sehr gerne, aber verantwortungsvoll verteilen.

Letztendlich bedankten sie sich überschwänglich für das Notwendige, das sie bekommen hatten.

Am Schluss der Tour trafen wir den Strassenmenschen, dessen Partnerin vor einigen Wochen plötzlich verstorben war. Er war wieder an seinem Stammplatz, um seine Sachen zu holen und dann endgültig zu seinem Bruder in den Norden zu ziehen.

Es ging ihm sehr schlecht. Wir konnten ihm mit einer Terrine, Getränken und Hygieneartikeln noch mal etwas Gutes tun und wünschen ihm von Herzen ein besseres Leben, fernab der Straße.

Passt alle auf euch auf.

Sabine und Monika

vom Team Lichtschmiede e. V.