06. Dezember 2024
Man muss einfach nur warten, dass der Tag vorbeigeht
Wettermäßig ein unglaublich schrecklicher Nikolaustag: kalt, verregnet, stürmisch. Couchwetter!
Aber pünktlich zu Tourbeginn ließen Regen und Sturm nach. Glück gehabt.
Wir fuhren die uns bekannten Stellen an und stellten wieder fest, dass unsere Straßenmenschen, die wir regelmäßig besuchen und mit dem Nötigsten versorgen, schon auf uns gewartet hatten.
Einige hatten ihre Schlafstätten mit weihnachtlichen Lichterketten geschmückt. Es ist eben eine Zeit, in der viele Emotionen und Erinnerungen hochkommen.
Ein alter Bekannter zeigte uns Fotos von seinem Enkelkind, das in seinem Heimatland lebt. Sehr ausführlich erzählte er uns seine Geschichte. Leider konnten wir nahezu nichts verstehen – sein schlechtes Deutsch eben.
Aber der Klang seiner Stimme, seine Gestik und Mimik sagten eigentlich alles: eine traurige Geschichte von Sehnsucht nach der Heimat, der Familie.
Alles, was man gerade an Weihnachten vermisst, wenn man auf der Straße lebt.
Jemand anderes macht uns auch Sorgen. All die Jahre kannten wir ihn als stillen, zurückhaltenden und klar denkenden Menschen. Seit einiger Zeit macht er einen verwirrten und befremdlichen Eindruck.
An diesem Abend äußerte er seine Wünsche in einem seltsamen Sprechgesang. Sind es Drogen, die diese Wesensveränderung verursachen? Wahrscheinlich. Immer wieder schrecklich zu sehen, was sie aus Menschen machen können.
Am Schluss der Tour, wie immer, Stopp bei einem ebenfalls verwirrten und sehr liebenswerten Bekannten.
Heute überraschte er uns mit einem weisen Spruch:
"Früher dachte ich immer, man muss sich durchs Leben kämpfen. Aber nein. Es fließt so dahin. Man muss einfach nur warten, dass der Tag vorbeigeht."
Er hat keinen Antrieb, keine Visionen, keine Ziele mehr. Aber er freut sich immer, wenn wir nach ihm sehen. Wenigstens ein bisschen Abwechslung im Einerlei.
Passt auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.