06. August 2024
Einfach mal ohne Worte
Das war im Nachhinein das Motto unserer Tour durch Wetter, Witten und Hagen.
Es sollte keine gewöhnliche Tour werden, na klar, jede Tour ist natürlich anders, aber das, was wir gestern erlebt haben, war schon außergewöhnlich.
Während wir in Wetter und Witten Präsenz zeigten, aber niemanden angetrafen, der unsere Hilfe benötigte, machten wir uns auf den Weg nach und durch Hagen.
Wir hatten eine Meldung bekommen, dass in einem Stadtteil seit einigen Tagen eine Dame in einem Park nächtigte und Hilfe benötigte.
Also fuhren wir den Park an, machten uns auf die Suche, sprachen mit einem Imbissbetreiber und mit Anwohnern, die uns die Präsenz der Dame auch alle bestätigten. Allerdings eskalierte wohl am Vorabend aufgrund von starkem Alkoholgenuss der Lärmpegel durch Schreie und Gegröhle und von den Anwohnern wurde das Ordnungsamt informiert. Seitdem wurde die Dame nicht mehr gesehen. Sehr schade, wir hätten hier gerne unsere Hilfe angeboten.
Auf unserem weiteren Weg durch Hagen erspähten wir in einer Ecke eine junge Dame mit diversem Handgepäck, die sich unter einem Vordach niedergelassen hatte. Sofort hielten wir an und kamen ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass sie am Vorabend aufgrund häuslicher Gewalt aus einer Nachbarstadt nach Hagen geflohen sei und hier für eine Nacht in einer Einrichtung untergekommen sei.
Es war aber nun schon spät, die uns bekannten Anlaufstellen hatten bereits geschlossen bzw. gewährten keinen Zugang mehr.
Steffi, meine Begleiterin auf Tour und von Beruf Sozialarbeiterin, wollte am nächsten Morgen alle ihre Kontakte spielen lassen, um für die Dame eine zufriedenstellende Lösung zu finden.
Wir statteten sie deshalb mit Schlafsack, Isomatte und weiteren benötigten Dingen für die Nacht aus und versprachen, mit ihr telefonisch in Kontakt zu bleiben.
In Bahnhofsnähe wurden wir auf die nächste junge Frau aufmerksam gemacht, die scheinbar dringend Hilfe benötigte. Sie lag auf einer Stützmauer und murmelte leise vor sich hin. Sie hatte Schmerzen und benötigte in unseren Augen dringend ärztliche Hilfe im Krankenhaus.
Sie verweigerte aber unsere Hilfe und nach langen Versuchen des guten Zuredens beschlossen wir schweren Herzens, unsere Bemühungen aufzugeben. Die ihr bekannten Personen um sie herum versprachen aber, weiter ein Auge auf sie zu werfen.
Wir versorgten anschließend zahlreiche weitere bedürftige Menschen, die sich um unser Auto versammelt hatten, mit heißen Terrinen, jede Menge Getränken und auch mit Hygieneartikeln, die besonders bei den warmen Temperaturen sehr gefragt waren.
Zu guter Letzt stellten wir fest, dass eine von uns kurz zuvor gekaufte Flasche Cola vom Dach unseres Fahrzeugs auch noch einen glücklichen Besitzer gefunden zu haben schien.
Uns fehlten zwar erst die Worte darüber, wünschten dem neuen Besitzer aber dann noch viel Spaß damit.
Weit nach Mitternacht beendeten wir unsere Tour. Wie diskutierten wir das Erlebte des Abends, über die Hilfe, die man geben konnte – oder eben auch nicht. All das muss gedanklich verarbeitet werden.
Update vom Tag danach: Steffi konnte durch ihre Kontakte erreichen, dass die Dame unter dem Vordach nun in einer Einrichtung in ihrer Heimatstadt ein vorläufiges neues Zuhause finden kann.
Auch das ist die Lichtschmiede e.V. - Hilfe, die ankommt!
Passt ihr bitte alle gut auf euch auf
Olaf und Steffi