05. April 2024

"Habt ihr Zeit, zuzuhören?"

Es gibt so viele hilfsbereite Menschen! Das erfuhren wir an diesem Freitagabend wieder hautnah.
Vor dem Bahnhof in Vohwinkel lag ein Mann hilflos auf dem Gehsteig. Ein Stück weit entfernt lagen seine Gehhilfe und eine leere Bierflasche. Als wir das Auto verließen, kam uns ein Paar entgegen. "Wir haben schon versucht, ihn zum Aufstehen zu bewegen, aber keine Chance." Wir erfuhren auch, dass die Polizei schon da gewesen war. Sie hatte wohl nichts ausrichten können. Er war stark alkoholisiert, vermutlich in Verbindung mit Medikamenten. Wir brachten ihn mit großer Mühe dazu, sich aufzusetzen, einen Kaffee und eine heiße Terrine anzunehmen. Er wollte uns seine Geschichte erzählen. "Habt ihr Zeit, zuzuhören?" Die hatten wir, aber er brachte seine Worte nur schwer heraus. Was wir verstanden war, dass er bei der Fremdenlegion "gedient" hatte und wegen Traumatisierung in Therapie war. Immer wieder fiel er auf den Rücken. So konnten wir ihn nicht zurücklassen. Mit unserer Hilfe und der Gehstütze kam er auf die Beine, sackte aber nach ein paar Metern wieder torkelnd zusammen. So auf der Straße war das lebensgefährlich. Den RTW lehnte er strikt ab. Während wir überlegten, wie wir diesen großen, schwankenden Mann in den Bahnhof auf eine Bank befördern könnten, näherten sich zwei Taxifahrer, die alles beobachtet hatten. Sie packten ihn beherzt unter die Arme und hievten ihn in den Bahnhof. Fast entschuldigend erklärten sie, dass sie ihn in dem Zustand nicht im Taxi transportieren könnten. Letztendlich stellte sich heraus, dass sich die Wohnadresse, die er uns nannte, in Düsseldorf befand. Wahrscheinlich war er mit dem Zug in Wuppertal gestrandet. In seiner Hand hielt er plötzlich fünf Euro, die er spenden wollte. Wir schauten uns fragend an, überlegten, ob wir von jemandem in diesem Zustand eine Spende annehmen konnten. Aber es war ihm ein Bedürfnis, das war offensichtlich und wir respektierten das. Er versprach uns, die Bank bis zum nächsten Tag nicht zu verlassen, war sich seines Zustands sehr bewusst und im Vertrauen darauf ließen wir ihn schließlich dort zurück.
Vielen Dank den beiden Taxifahrern. Es ist nicht selbstverständlich, so direkt und tatkräftig zu helfen, ohne wenn und aber.
Die restliche Tour war gewohnt vertraut. Wir trafen viele bekannte Straßenmenschen, gaben ihnen das, was sie brauchten. So hilflos wie der Mann am Bahnhof stand uns aber niemand gegenüber. Hier kamen wir alleine klar.
Passt auf euch auf, Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.