29. März 2023

Ein lebendes Beispiel sagt mehr als tausend überzeugend gemeinte Worte

Sabine, Björn und Monika auf Tour in Wuppertal.
Gleich bei unserem ersten Stopp konnten wir einem obdachlosen Menschen viel Freude bereiten. Er lag dieses Mal alleine an seinem Schlafplatz, an dem wir Tage vorher noch zwei weitere Straßenmenschen angetroffen hatten. Wir hätten ihm seine Thermoskanne auch mit Tee gefüllt und mitsamt der Terrine zum Platz gebracht, denn er ist aufgrund seines Alters und allgemeinen Zustands schon etwas wackelig auf den Beinen, aber er wollte unbedingt mit zum Fahrzeug kommen. Dort unterhielten wir uns angeregt und er fragte sehr bescheiden und zurückhaltend nach einem Paar Socken und einer Hose, denn seine war schon sehr verschlissen. Und die Freude war sehr groß, als wir eine neue, hochwertige Hose aus unserem Equipment zauberten. "Passt die denn wohl?", fragten wir uns. Aber er zeigte uns den Ellenbogen-Hack: Hand und kompletten Ellenbogen in den Hosenbund legen und, wenn das genau passt, passt die Hose. Gesagt, getan... Perfekt. Auch wir lernen immer dazu. Dazu noch die Socken und wir hatten das Gefühl, wieder mal geholfen zu haben.
Am Rande eines Parks trafen wir einen alten Bekannten. Wir mögen ihn sehr und die Unterhaltung mit ihm war, wie immer, sehr interessant. Björn beschrieb ihn später als "kultiviert", und ja, das trifft es ziemlich genau. Er freute sich über etwas Warmes und Süßes und berichtete von gemeinsamen Bekannten, die gerade sehr viel Stress mit dem Vermieter ihrer kleinen Wohnung haben.
Auf unseren Touren gönnen wir uns immer einen Cappuccino an einem großen Platz. Wenn das "Lichtschmiede-Fahrzeug" dort steht, dauert es meist nicht lange und wir werden gesehen. Das was wir wollen.
Auch an diesem Abend war es zunächst sehr ruhig und dann... Wieder mal froh, dass wir zu dritt waren, denn sehr viele Hilfesuchende kamen fast gleichzeitig. Socken waren sehr gefragt, denn irgendwann haben die alten Löcher. Eine obdachlose alte Bekannte freute sich sehr über eine Cola, denn sie ist aufgrund ihrer Krankheit schnell unterzuckert.
Ein großes "Hallo" galt wieder mal Björn. Als ehemaliger Straßenmensch, der den Absprung sehr erfolgreich gemeistert hat, ist er für viele ein Vorbild. "Gut siehst du aus. Kein Vergleich mit dem alten Björn". Diese Erkenntnis ist äußerst wichtig und hilfreich, denn sie zeigt den Obdachlosen, dass es möglich ist, diesen Weg zu gehen: raus aus der Bedürftigkeit. Ein lebendes Beispiel sagt mehr als tausend überzeugend gemeinte Worte. Wir fuhren noch andere Plätze an, trafen einige Obdachlose, denen wir helfen konnten. An zwei Stellen lag nur eine Matratze und ein Schlafsack, denn die Besitzer waren noch unterwegs. Aber wir kommen wieder. Wir wünschen allen schon mal ein schönes Wochenende und freuen uns auf die nächste Tour. Sabine, Björn und Monika