Es war der erste warme Abend und die Luft stand unter einer Wolkenglocke.
Die Straßen und Plätze in Wuppertal waren belebt, Kirmes in Barmen...
Einfach ganz viel Leben auf der Straße.
So trafen wir auch bei unserem ersten Stopp in einem Parkhaus niemanden an.
Wahrscheinlich waren die obdachlosen Menschen, die wir sonst dort auffinden, noch unterwegs.
Wir fuhren zu einem Park, um gezielt nach jemandem zu schauen.
Zunächst Fehlanzeige.
Dann mussten wir mit dem Auto wenden und sahen ihn auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit zwei Freunden von der Straße.
Nein, wir hätten ihn auch im Park nicht auf Anhieb erkannt.
Er hatte sich sommerlich "gestylt", alles von "Kollegen" geschenkt bekommen.
Statt dicker langer Winterjacke, gefüllt mit allem, was man braucht, nun hellblaue kurze Sommerdaunen, drunter ein apricotfarbenes T-Shirt.
Wow.
Er war sichtlich stolz auf seine neue Erscheinung und das Outfit war dann auch ein witziges Gesprächsthema, das wir bei Terrinen und Getränken ausgiebig bequatschten.
Gemeinsam lachen ist so wichtig.
Weiter ging es in die Innenstadt und dort wurden wir von so vielen Menschen belagert, dass wir schnell Hand in Hand arbeiten mussten.
Wir kennen "unsere" Obdachlosen, aber es kommen auch immer wieder neue Gesichter dazu.
"Hast du eine Wohnung?", ist dann eine Frage, die wir stellen müssen, denn das ist der Sinn.
Ausgabe nur an Obdachlose und Bedürftige.
Aber auch jemand, der noch eine Wohnung hat, kann aus verschiedenen Gründen bedürftig sein.
Die Notlage herauszufinden bedeutet immer wieder, mit Fingerspitzengefühl und innerer Stimme zu entscheiden, ob wir helfen sollten.
Das ist nicht einfach und im Zweifel geben wir natürlich gerne.
Aber eine Antwort wie "Bin wahrscheinlich bald wohnungslos", kann auch heißen, dass wir sehr freundlich, aber bestimmt, auf unsere Vereinsaufgabe verweisen.
Wir hatten uns sehr lange an dem Platz in der City aufgehalten, denn neben der Ausgabe von Hoodies, Hygieneartikeln, Socken, Terrinen und Getränken führten wir natürlich auch das eine oder andere längere Gespräch.
Weiter ging es zu den beiden Frauen, die auch in unseren Berichten immer wieder auftauchen.
Auf der letzten Tour hatte uns eine der beiden besondere Sorgen gemacht.
Sie ist psychisch sehr angeschlagen und unser Team hatte sie in einer Phase tiefer Ausweglosigkeit angetroffen.
Dank ihrer Hilfe konnte Schlimmeres verhindert werden und natürlich wollten wir nach ihr sehen, uns vergewissern, dass sie jetzt immer noch wohlbehalten an ihrem Stammplatz lag.
Sie freute sich unglaublich uns zu sehen, trank einen Tee und redete sich sehr viel von der Seele.
Ja,sie will besser auf sich aufpassen, aber wir können ihr das nicht abnehmen, können uns letztendlich nicht hineinversetzen in einen Lebensweg, der so viel Schweres auf der Seele abgelagert hat.
Aber wir können zuhören und positive Ansätze verstärken.
Am Schluss der Tour wollten wir noch einen alten Bekannten aufsuchen, trafen ihn aber schon am Straßenrand auf dem Weg zu seinem Schlafplatz.
Immer wieder schön, mit ihm zu reden.
"Ihr seid ja gefühlt jeden Tag unterwegs", war seine Botschaft an uns.
Nein, nicht jeden Tag, aber so oft es für unsere Teams von Lichtschmiede e. V. möglich ist.
Gute Nacht