Es ist immer wieder erschreckend und auch sehr traurig zu sehen, wie schnell das Leben auf der Straße einen Menschen verändert.
Dadurch, dass konstant mehrmals in der Woche ein Lichtschmiede-Team unterwegs ist, sind wir in der "Szene" bekannt.
Man vertraut uns und weiß, wir helfen.
Das spricht sich auf der Straße herum und so werden auch immer wieder Menschen mitgebracht, die neu sind, die, durch was auch immer für ein Schicksal, auf der Straße gelandet sind.
Und Schicksale stecken immer dahinter.
Manche treffen wir auch zufällig, wenn sie verloren durch die Straßen gehen, irgendwo stehen oder sitzen.
Man sieht ihnen immer an, sie wissen nicht wohin.
Der körperliche Zustand ist meistens sehr gut und auch die Kleidung ist gepflegt.
Es sind oft junge Menschen, die wir neu auf der Straße antreffen und man merkt, sie sind völlig überfordert mit dem, was jetzt ihre Lebensumstände sind.
Wir können dann helfen mit dem nötigen Equipment, um draußen übernachten zu können.
Hunger und Durst können wir auch stillen, ebenso mit frischer Wäsche und Hygieneartikeln helfen.
Wir zeigen ihnen Hilfsangebote auf, wie Notschlafstellen und Ansprechpartner und haben nun, wo keiner sonst mehr da ist, ein offenes Ohr.
Den Rest müssen sie bewältigen.
Jedes Mal hoffen wir, sie fangen sich und ihr Aufenthalt auf der Straße ist nur kurz.
Aber oft ist er nur der Anfang einer sich ständig drehenden Abwärtsspirale.
Bei unserer Tour am 19.07.2023 wurde uns das mal wieder richtig bewusst.
Es war nicht viel los, die Straßen waren fast leer.
Aber viele unserer Freunde treffen wir immer, weil wir wissen, wo sie sich aufhalten.
Ein junger Mann, erst einige Monate auf der Straße, war sehr hungrig.
Wir haben ihn das erste Mal gesehen, da war er gerade obdachlos.
Der Unterschied zu jetzt gravierend.
Er nimmt immer mehr ab, bis jetzt fast 20 kg.
Sein ganzes Äußeres lässt nicht mehr erahnen, wie er noch vor einigen Monaten aussah.
Er weiß es, aber das Leben auf der Straße ist hart und lässt nicht viel Raum für anderes.
Bei der zweiten Terrine erzählte er, wie er den ganzen Tag nicht zur Ruhe kommt.
Der zigste Schlafplatz wurde ihm geräumt.
Immer wieder schauen, wohin mit dem Hab und Gut, um nicht die böse Überraschung zu erleben, alles ist weg.
Er hat nun einen neuen Platz gefunden, bislang wurde er dort noch nicht entdeckt und wir hoffen sehr, dass das auch so bleibt.
In den meisten Fällen können unsere Freunde der Straße nur nachts zu ihren Plätzen.
Am Tag werden sie dort nicht geduldet und so gibt es keinen Rückzugsort.
Anfeindungen sind oftmals an der Tagesordnung.
Das geht an niemandem spurlos vorbei und nimmt auch oft die Kraft, die dringend benötigte Kraft, das Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Alle, denen wir in dieser Nacht helfen konnten, kennen wir schon lange.
Sehen, wie sie abbauen und wünschen uns so sehr für jeden einzelnen, dass er es schafft, seinem Leben eine Wendung zu geben und der Abwärtsspirale zu entkommen.
Passt gut auf euch auf, Björn und Sabine vom Team Lichtschmiede e. V.