08. November 2023

Letztendlich hat sie Angst vor Menschen

Anspruch auf Bürgergeld haben alle Menschen, die hilfsbedürftig sind, also vorübergehend oder langfristig nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Es ist unabhängig davon, ob sie eine Wohnung haben. Somit erfüllen auch oder gerade obdachlose Menschen die notwendigen Voraussetzungen für den Bezug von Sozialleistungen.
Sie wusste es nicht, war nie aufgeklärt worden, hatte nie eine soziale Einrichtung aufgesucht, um Hilfe in irgendeiner Form zu bekommen. Hat keine Postadresse in der Diakonie, nichts. Die obdachlose Frau in Wuppertal, die erst nach langer Zeit Vertrauen zu uns aufgebaut hatte, ist seit Anfang des Jahres auf der Straße, verwitwet, wie sie erzählte. Wir kennen die Geschichte ihres sozialen Abstiegs nicht, aber wir sehen den körperlichen Verfall, der das Alter schwer schätzen lässt. Auch die harte Bank mit dem Schlafsack sehen wir, den sie von uns beim letzten Mal bekommen hat und wissen, dass die schlimmste Zeit, der Winter, bevorsteht. Sehr eindringlich haben wir auf sie eingeredet, versucht sie zu überzeugen, dass sie sich nicht scheuen muss, Hilfe zu beanspruchen, die ihr zusteht. Letztendlich hat sie Angst vor Menschen, die ihr zu nahe kommen, Kontrolle ausüben könnten. Es braucht scheinbar sehr lange, bis sie Vertrauen fasst und erkennt, dass Hilfe, die sie bekommt, nicht mit Forderungen verbunden ist. Wir hoffen sehr, dass wir wenigstens aufklären, informieren konnten. Den ersten Schritt muss sie nun selbst machen. Es wird dauern, aber wir sind hartnäckig und werden dran bleiben.
Passt auf euch auf, Sabine und Monika vom Lichtschmiede-Team