03. Februrar 2023

Die Schicksale der einzelnen Personen machen einen nachdenklich

Hallo zusammen
nach einer anstrengenden Nachtschichtwoche begleitete mich Gudrun und ihr kleiner Josch auf der heutigen Tour.
Auf unserer To do Liste stand als erster Punkt die Übergabe der Arbeitsschuhe. Paul war vollkommen geplättet. Ich zitiere "Ein Paar ausgelatschte Gebrauchte hätten es doch auch getan, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll". Aus Pauls Sicht wären gebrauchte Arbeitsschuhe vielleicht okay, aus unserer Sicht auf keinen Fall. Anschließend ging es zu einer Meldung hier im Ennepe-Ruhr-Kreis.
Ein Herr nächtigt schon seit geraumer Zeit mit seinem Hund in einem Fahrzeug. Immer mal wieder wechselt er den Standort. Wir waren schon mehrfach bei ihm, leider aber immer, wenn er schon schlief. Heute zum Glück nicht.
Ein eher verwunderter Blick traf uns, als wir erklärten, wer wir sind. Zögerlich öffnete der Herr die Tür. Die anfängliche Unsicherheit über den Besuch schlug nach ein paar Minuten in Freude um. Immer wieder brach er beim Erzählen in Tränen aus. Eine Aussage traf uns mitten ins Herz und ließ uns fast sprachlos zurück. "Ich stehe hier in der Nähe einer Kirche, habe meinen Frieden mit Gott gemacht und hoffe, dass ich morgen nicht mehr erlebe. Jetzt steht ihr auf einmal hier, seid ihr Engel?" Eine Aussage bei der man nicht weiß, ob man erschrocken oder entsetzt sein soll. Ein Mensch, ehemals selbständig, der so verzweifelt ist, zeigt uns wieder einmal, wie schnell es auch bergab gehen kann. Auf jeden Fall gab es eine Menge Redebedarf. Zudem ließen wir ihm einen Sack Hundefutter, Tee und Essen dort. Von der Dame, die uns gebeten hatte, nochmal nach dem Herrn zu schauen, überreichten wir noch einen Tankgutschein. Damit kann er jetzt zu den Behörden, um seine Angelegenheiten zu klären. Lange blieben wir dort und versprachen wieder zu kommen.
Jetzt ging es nach Hagen. Hier trafen wir ein paar alte Bekannte. Ein Herr kam gerade aus dem Krankenhaus und war wieder an seinem angestammten Platz. Leider hatte er so viel getrunken, dass er anfangs Schwierigkeiten hatte, sich einfach nur zu setzten. Die Polizeiwache in der Nähe, die wir informierten, schauten umgehend nach ihm. Vorsichtig und freundlich sprachen die Beamten mit ihm. Leider war er nicht wirklich zu einem Gespräch bereit. Da er sich nicht helfen lassen wollte, zogen wir weiter, wir ließen ihm aber wenigstens noch einen Schlafsack da.
Nun fuhren wir nach Wuppertal. Auch hier konten wir ein paar Menschen helfen. Suppe und Kaffee oder Tee reichten in der Regel, um den Leuten ein Lächeln zu entlocken. Ein Herr lag nur auf einer Pappe, zugedeckt mit einer Jacke von einem Jogginganzug. Das konnten wir so nicht lassen. Schlafsack, Isomatte, Thermobecher, Rucksack, Essen und Trinken trieb auch ihm ein Tränchen in die Augen. Jetzt kann er, den Umständen entsprechend, vernünftig schlafen.
Zeit für uns auch nach Hause zu fahren. Eine Nacht, die uns noch lange beschäftigen wird. Die Schicksale der einzelnen Personen machen einen nachdenklich.
Gute Nacht, Gudrun, Josch und Andreas vom Lichtschmiede e. V. Team