01. September 2023

Eine gute Bekannte heizt ihren Unterschlupf regelmäßig mit brennenden Kerzen

Es war viel los in der Stadt. Die Bergische Expo, auf der sich die regionalen Unternehmen präsentieren, hatte rund um den Bahnhof ihre Zeltstadt aufgeschlagen. Und auf den Straßen so viele Menschen. Es waren oft Jugendliche, die in Gruppen durch die Straßen zogen und die Kneipen und Restaurants bis auf die Gehsteige bevölkerten. Mittendrin fanden wir die Menschen, die nicht zum Vergnügen und eben dauerhaft auf der Straße leben.
Die vergangenen feuchten und kalten Nächte hatten bei vielen schon einen Vorgeschmack auf den nächsten Winter hinterlassen. Eine gute Bekannte "heizt" ihren Unterschlupf regelmäßig mit brennenden Kerzen, die ganze Nacht, während sie schläft. Brandgefährlich! Wir waren völlig entsetzt, als sie uns das erzählte und redeten auf sie ein. Natürlich sieht auch sie die Gefahr. Brennende Kerzen zwischen all den angesammelten Habseligkeiten aus Plastik, Papier, Stoff und dem Gaskocher! Aber wenn man unglaublich friert und nicht einfach die Heizung höherdrehen kann, kommt man wahrscheinlich auf solche Ideen. In der Not eben!
Bis in die Nacht hinein versorgten wir viele Straßenmenschen vor allem mit einer warmen Terrine, heißem Kaffee oder Tee, einem Schlafsack und natürlich Gesprächen. In Gedanken bereiten sich schon viele auf die kommende kalte Jahreszeit vor. "Möchte nicht noch einen Winter auf der Straße verbringen. Der letzte war so brutal", ein Satz, den wir gestern mehrmals hörten. Die Wohnungsnot lässt aber keine großen Hoffnungen zu, selbst wenn die caritativen Organisationen oft bei der Suche unterstützen. Sehr viele werden nachts auf der Straße bleiben und, wenn es sehr gut läuft, einen Schlafplatz für die ein oder andere Nacht in einer Notunterkunft ergattern. Bald werden sich die winterfesten Schlafsäcke auch wieder in unserem Auto auf der Rückbank stapeln.
Qualitativ hochwertige Schlafsäcke in dieser Menge verschlingen einen Großteil der Spendengelder. Da gibt es aber keine kostengünstige Alternative. Sie können und werden Leben retten. Auch wir, das Straßenteam, haben großen Respekt vor den Winternächten, weil dann die Hilfe oft existentiell ist. Wir erinnern uns nur zu gut an die Namen derer, die erfroren sind, weil in diesem Moment keine Hilfe da war.
Aber auch im harmloseren Fall "Not lindern" funktioniert nur so lange, wie es Menschen gibt, denen das bewusst ist. Menschen, die mit kleinen oder größeren Spendenbeträgen unterstützen oder auch mit persönlichem Einsatz. Die Bitte um Unterstützung wird sich immer durch unsere Berichte ziehen, gerade im Winter. Berichte, in denen wir so gut wie möglich vermitteln wollen, wo und wie die Hilfe unseres Vereins ankommt und welchen großen Sinn sie macht.
Passt auf euch auf. Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.