19. September 2022

Das ging natürlich runter wie Öl

Heute sind Miriam, Sven und ich als Trio auf Tour in den Abend gestartet.
Vom Treffpunkt in Langerfeld aus ging es zum ersten Platz in Barmen, wo wir immer nach dem Rechten schauen. Hier trafen wir einen Herrn an, der erstmal nur etwas zu essen in Form einer Terrine haben mochte. Doch dann wurde es aufregend. Er klagte über extreme Schmerzen am ganzen Körper und zeigte uns die eine oder andere Blessur an seinem Körper, die das Leben und vor allem der Lebensstil auf der Straße leider so mit sich bringt. Wir entschlossen uns nach Absprache mit dem Herrn, für ihn einen Rettungswagen zu rufen. Als dieser dann eintraf, rückversicherten wir uns bei den Rettungssanitätern, dass man in Deutschland auch ohne Krankenversicherung ins Krankenhaus gebracht und behandelt wird. Mit einem Gefühl der Erleichterung zogen wir uns dann zurück und wünschten dem Herrn gute Besserung und zumindest eine Nacht in trockenen, warmen und sauberen Laken.
Unsere nächste Station führte uns nach Wuppertal Elberfeld an den Hauptbahnhof. Hier wollten wir unbedingt eine Verabredung mit einer obdachlosen Dame einhalten, für die wir noch gewünschte Hygieneartikel, neue Schlüpfer und Socken dabei hatten. Süßigkeiten wechselten hier auch noch die Besitzerin. Sie freute sich sehr darüber. Direkt nebenan konnten wir ihren "Sitznachbarn" noch mit einem heißen Tee glücklich machen.
In der Elberfelder Innenstadt trafen wir auf einen uns bekannten Herrn, der jetzt längere Zeit im Krankenhaus gewsesen war und um den wir uns etwas Sorgen machten. Umso mehr freuten wir uns, ihn in einem guten Zustand anzutreffen und laut eigener Aussage ist er auch ganz zufrieden im Moment. Hier ließen wir ein warmes Käffchen und was Süßes da. Auch für einen weiteren Obdachlosen, der sich dazu gesellte, gab es noch was Süßes.
Weiter ging es nach Vohwinkel. Hier trafen wir einen Herrn an, der gerade ein "Trink"-Päuschen einlegte und uns etwas wirr eine Geschichte erzählte. Aber auch hier waren wir ganz Ohr und beglückten ihn noch mit einem warmen Süppchen. Im Vohwinkler Bahnhof trafen wir niemanden an. Somit ging es wieder an der Wupper entlang durch die Talsohle zurück.
Wir hielten aber immer mal wieder an Brücken oder Schwebebahnstationen an, um die Plätze darunter mit Taschenlampen zu erkunden. Denn uns wurden in letzter Zeit viele Sichtungen an diesen Plätzen berichtet. Heute Abend war aber niemand da. An einer Schwebebahnhaltestelle trafen wir auf einen jungen Mann, der uns fragte, was wir denn da machen würden. Wir erklärten ihm, wer wir sind und was wir machen. Aufgrund seines Alkoholpegels schwang bei dem Gespräch immer unterschwellig etwas Aggression mit, womit man bei der Arbeit im Verein aber lernt, umzugehen. Es stellte sich heraus, dass der Herr auch obdachlos ist...aber arbeitet und sich einen geheimen Platz zum Schlafen gesucht hat. Er sagte uns zum Abschied mehrmals, wie toll er unsere Arbeit fand. Das ging natürlich runter wie Öl.
Zum Abschluss der Tour fuhren wir noch in Schwelm ein paar Stellen ab, aber auch hier hatte man sich scheinbar schon in die Schlafstätten zurückgezogen. Es war mal wieder eine ereignisreiche Tour mit vielen traurigen, aber auch vielen schönen Erlebnissen und Geschichten. Und wärend ich hier gerade vorm Kamin auf der Couch unter der Kuscheldecke sitze und den Beitrag schreibe, merke ich, wie verdammt gut es mir eigentlich geht.
Wenn Du auch ein Teil der tollen Lichtschmiede Familie sein willst, gib Dir einen Ruck und melde Dich bei uns.
Eine gute Nacht wünschen Euch Euer Lichtschmiede Team Miriam, Sven und Kerstin