04. November 2021

Teil 1 - Heike, Steffi und Stefan heute exklusiv unterwegs

Was bleibt, sind die Erinnerungen...
Heute habe ich mit Steffi und Stefan ganz exklusiv Peter besucht – wir wollten uns ganz bewusst Zeit nehmen für ihn.
Als wir ihn an seinem "Schlafplatz" - er schläft sitzend im Rollstuhl - antrafen, bereitete er sich für die Nacht vor. Zuerst durften wir ihn mit den für ihn wichtigsten Dinge versorgen – und dann durften wir zuhören.
Es war – ich weiß, dass es sich bei einem Obdachlosen vielleicht falsch anhört – spannend. Er hat viel zu erzählen von seinem Leben vor der Obdachlosigkeit.
Stefan lernte ihn zu ersten Mal kennen und die Fragen, die er Peter stellte, regten zu immer neuen Themen an. Steffi kennt ihn schon länger und es ist total klasse zu spüren, dass bereits eine gewisse Vertrautheit da ist. Wir bekamen Kochtipps von ihm und auch Tipps, wie man ziemlich hochprozentigen Schnaps am besten trinkt, damit man nicht direkt aus den Latschen kippt.
Tränen, als es um die Geschichte seiner Kinder ging und auch Lachen, wenn er von verrückten Geschichten seiner Kindheit berichtete. Ihm bleiben seine Erinnerungen.
Ihr müsst wissen, Peter nimmt so gut wie nie etwas an, weder Suppe, Kaffee, Süßigkeit noch Schlafsack oder so. Aber am Ende des echt langen Zusammenseins konnten wir ihm einen leckeren Schinken und Schwarzbrot als Wunsch für unseren nächsten Besuch entlocken – und das wird so gerne erledigt.
Mein Fazit für diesen Abend: Ich möchte mir viel mehr Zeit nehmen für den Einzelnen, also so richtig viel Zeit, so dass sich hoffentlich etwas entwickelt, was einem einsamen Menschen neben Essen und Trinken etwas gibt, dass sich Vertrauen nennt. Ich wünsche mir, dass der Einzelne mich erwartet und sich freut, wenn ich da bin. Und wisst ihr, was mich noch so richtig freuen würde? Wenn Peter lesen könnte, dass wir heute exklusiv nur über ihn berichtet haben!
Herzlichst – eure Heike mit Steffi und Stefan vom Lichtschmiede-Team

Teil 2 - Yvonne und Tom: "Nicht weggucken" oder eine nette Geste können was ganz Großes sein...

heute machten sich Yvonne und Tom auf den Weg, um nach dem Rechten zu schauen.
Nachdem sie den Wagen mit allem Wichtigen für die heutige Tour bestückt hatten, fuhren sie nach Hagen. Dort angekommen drehten sie eine Runde und trafen allerdings niemanden an. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Obdachlose eine Schlafstelle im Männerasyl gefunden haben. Dann allerdings trafen die beiden noch eine junge Frau, welche sich über Isomatte und Schlafsack fast genauso freute wie über einem Kaffee und einer warmen Terrine.
Von Hagen aus machten sie sich auf den Weg in Richtung Wuppertal. Dort trafen sie auf altbekannte Gesichter. Schnell waren dann auch ein paar Terrinen und Kaffees gemacht und verteilt. Zuletzt machten die beiden noch die Bekanntschaft mit einem jungen Mann, welcher die Nachfrage verneinte, ob man ihm mit etwas Heißem, Süßem oder einem Kaltgetrank behilflich sein könnte. Leider erschien es den Beiden so, als wenn er gerade so dermaßen mit sich selbst haderte, dass er sich leider aktuell nicht auf andere Menschen einlassen konnte. Das werden wir im Auge behalten.
Sehr stark beeindruckt, gerade von der letzten Begegnung, machten die zwei sich auf den Heimweg. Und wieder einmal mehr wird es uns bewusst, dass ein "nicht weggucken" oder eine einfache nette Geste schon etwas ganz Großes sein kann, wenn man es denn zulässt.