26. Juli 2023

Er will nicht gerettet werden, das müssen wir uns langsam eingestehen

Unsere Tour begann in Ennepetal.
Wir wollten wieder mal nach einem Bekannten schauen, der abseits des Geschehens in einem Wald seine Behausung hat.
Es ist schon sehr dunkel und einsam dort. Mit der Taschenlampe in der Hand folgten wir dem Pfad durch den Wald, sahen das Zelt, aber es war niemand zuhause.
Weiter nach Wuppertal. Dort waren wir mit einer Bekannten verabredet, die neue Schuhe brauchte. Sabine hatte sehr stylische Sneaker besorgt und die Begeisterung war groß. "Megacool. Werfe die alten sofort weg. Die Sohle löst sich schon auf. Endlich mal wieder trockene Füße." Es war Mittwoch und viele sind dann spätabends noch sehr "busy" unterwegs, denn am Donnerstag werden die Mülltonnen geleert, was heißt: viele Obdachlose sind unterwegs, um etwas Brauchbares in den Tonnen zu finden. Das "Revier" ist unter den Sammlern aufgeteilt und es ist unglaublich, was da so weggeworfen wird.
Es waren vor allem die, die uns an den verschiedenen Standorten in der Stadt aufsuchen, wenn wir dort stehen. Die, die keinen festen Platz haben und mal hier und mal dort nächtigen. Heute hatten sie Wichtigeres zu tun. An seinem festen Stammplatz, mitten in der Innenstadt, trafen wir jedoch zuverlässig den an, der uns immer noch die größten Sorgen macht. Er will nicht gerettet werden. Das müssen wir uns langsam eingestehen. Geschwächt und ausgemergelt saß er auch jetzt zusammengesunken auf der Treppe. Aber er war wenigstens dieses Mal so klar, dass er die beiden Terrinen komplett vertilgte.
Schon am Nachmittag, direkt nach dem Kauf, hatte eine uns bekannte Frau neue Schuhe von Andreas und Sabine erhalten. Jetzt, in der Nacht, erschien sie in Pantoffeln, die sie in ihrer Unterkunft in einer Mauer trägt. Das war irgendwie skurril, denn ihre " Wohnhöhle" hat so gar keine Ähnlichkeit mit einem Wohnzimmer. Auch ihr Tag, von dem sie uns ausführlich berichtete, hat wenig gemeinsam mit dem der meisten Menschen. Heute hatte sie Ärger mit einer anderen obdachlosen Frau gehabt und es hatte nur wenig gefehlt und der Streit wäre handgreiflich geworden, die Flasche auf ihrem Kopf gelandet. Aber jemand hatte ihr geholfen und jetzt stand sie da und erzählte das eher beiläufig.
Das Leben auf der Straße ist hart, kriminell, oft gnadenlos und mit unserem Alltag nicht zu vergleichen. Deshalb steht es auch niemandem zu, zu werten, zu beurteilen oder ungefragt Ratschläge zu erteilen. Eine Einstellung, die jeder aus dem Team teilt. Sonst könnten wir nicht so helfen, wie wir es tun. Wir versorgten noch einige andere Straßenmenschen mit dem, was sie dringend brauchten. Ein alter Bekannter rührte, wie immer, seine Terrine selbst an. Die Zubereitung hat was von einer Zeremonie und dauert entsprechend. Aber wir hatten Zeit und mal wieder ganz viel Spaß beim Zusehen.
Passt auf euch auf. Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.