05. Mai 2023

Er hatte einen Wischmop in der Hand und säuberte unglaublich motiviert das Parkhaus

Die Wochenendtouren dauern immer länger, sind deshalb oft entspannter, manchmal auch skurril. Nachts erlebt man so manches, was einen nachhaltig beschäftigt.
In dieser Nacht war es insbesondere ein Erlebnis mit einem uns bekannten Straßenmenschen. Wir trafen ihn tief unten in einem Parkhaus. Er hatte einen Wischmop in der Hand und säuberte unglaublich motiviert das Parkhaus. Neuer Job? So hatte er es wohl verstanden, als ihm jemand sagte: "Kannst hier unten bleiben, wenn du dafür alles putzt". Ein paar Euro sollten auch dabei rausspringen. Wir freuten uns für ihn. Endlich eine Aufgabe.
Als wir einige Zeit später draußen am Wagen jemand anderes versorgten, flog die Parkhaustür auf und unser Bekannter rannte mit seinen Taschen laut schimpfend an uns vorbei. Was war passiert? Wir fuhren wieder runter, um nachzusehen. Umgekippte Putzeimer und der Wischmop lagen verstreut im Parkhaus. Offensichtlich war da jemand doch nicht einverstanden gewesen mit dem "Minijob" und der dauerhaften Bleibe. Beim nächsten Treffen werden wir sicherlich mehr erfahren.
Am Abend und in der Nacht konnten wir viele Strassenmenschen versorgen und führten lange Gespräche. Die Obdachlosen haben ein Auge aufeinander. Auf einer Mauer saß ein Bekannter, mit dem wir uns sehr gerne bei einer Terrine und einem Kaffee unterhalten. Aber an diesem Abend wollte er nur ein Wasser. Es ginge ihm nicht gut.Wir hatten ihn noch nie so gesehen. Zudem machte er sich Sorgen um einen obdachlosen Freund, den er seit einer Woche vermisste. Wir versprachen, Augen und Ohren offen zu halten.
Auch die Sorge um einen Bekannten, der sich sichtbar zugrunde richtet, war wieder Thema in vielen Gesprächen. Wir fanden ihn in einem Gebäude, einem seiner Stammplätze. Wieder einmal erschraken wir über seinen Zustand: völlig verwahrlost, oft nicht ansprechbar. Drogen, vor allem Alkohol und da alles, was er kriegen kann und sei es ein Rest aus einer Flasche im Mülleimer. Aber er lässt sich von niemandem helfen und verweigert alles. Er freut sich immer uns zu sehen, wenn er aufnahmefähig ist. In dieser Nacht konnten wir ein paar Worte wechseln und wir blieben hartnäckig stehen, bis er gegessen hatte. Ansonsten bleibt die Terrine oft unberührt stehen und er widmet sich wieder der Flasche.
Die beiden obdachlosen Damen, die wir in der Fußgängerzone besuchten, haben jetzt einen kleinen Bollerwagen, um das ausufernde Gepäck zu transportieren. Der Handwagen wurde gespendet von einer Bürogemeinschaft ein paar Häuser weiter, die alle zusammengeworfen haben. Wieder ein Beweis dafür, dass so viele Menschen hingucken, nicht nur wir. Björn klappte den Wagen zusammen und sicherte ihn an einer Wand. Nachts geht auf der Strasse viel verloren.
Unsere letzte Terrine in dieser Nacht war etwas zäh und pampig. Wir hatten kein heißes Wasser mehr, alles verbraucht, aber viele satt gemacht. Und das Wichtigste: wir waren da. Niemand ist ganz alleine, solange noch jemand an ihn denkt.
Sabine, Björn und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.